Alt-Wien-Kindergärten: Gesamtübernahme vorerst geplatzt

13. September 2016, 13:04
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Masseverwalter: Französisch-deutscher Betreiber argumentiert, dass Stadt kein Interesse habe, MA 10 weist Vorwurf zurück – Weitere Standortschließungen stehen bevor

Wien – Eine Gesamtübernahme der insolventen Alt-Wien-Kindergärten ist vorerst geplatzt. "Von dem französisch-deutschen Übernahmeinteressenten, mit dem ich in wirtschaftlicher Hinsicht bereits einig war, wurde mir soeben mitgeteilt, dass dieser von einem Markteinstieg in Wien und damit der Übernahme aller Alt-Wien-Standorte absieht", sagte Masseverwalter Philipp Dobner am Dienstag.

Am Montagabend hatte Dobner noch von "ersten Ergebnissen" mit dem Interessenten, der in Frankreich, Deutschland und Belgien mehr als 400 Einrichtungen betreibt, gesprochen. Der Kaufpreis sei "ausgesprochen gut" und liege über jenem, der durch Einzelverwertungen erzielt werden könne.

Laut Dobner argumentiert der Interessent seine Absage damit, "dass die Stadt Wien an einer Zusammenarbeit nicht interessiert sei und trotz mehrfacher Anfrage von den Anwälten des Übernehmers seit Donnerstag kein Termin bei der MA 10 zu erlangen war". Die Einzelverwertung der rund 30 Alt-Wien-Standorte sei nun nicht mehr auszuschließen, was "unabsehbare Folgen für die Sicherung der Betreuungs- und auch der Arbeitsplätze" haben werde.

Dementi aus dem Rathaus

Im Rathaus dementiert man die Behauptung, es habe keine Termine gegeben. "Ich weise das aufs Schärfste zurück", sagte Daniela Cochlar, Leiterin der für Kindergärten zuständigen MA 10, der APA. Es habe am 5. September ein Treffen des Masseverwalter, so gut wie aller Interessenten und von Mitarbeitern der MA 10 gegeben – und darüber hinaus noch zwei separate Gespräche mit dem französisch-deutschen Interessenten.

Für Unstimmigkeiten dürften die städtischen Förderrichtlinien gesorgt haben. Denn bei den Gesprächen sei es auch darum gegangen, "dass ein gewinnorientierter Betreiber nicht mit Steuergeld gefördert werden kann": "Gemeinnützigkeit ist Voraussetzung", sagt Cochlar. Dass der Interessent behauptet, die Stadt habe kein Interesse an einer Übernahme, sei insofern verwunderlich, als der Interessent nie ein Förderantrag gestellt habe.

Der Masseverwalter fährt im Zuge des Insolvenzverfahrens jedenfalls mit dem Abwicklungsplan fort. Dieser beinhaltet die – zumindest zwischenzeitliche – Schließung sechs weiterer Standorte, an denen keine oder kaum mehr Kinder betreut werden. Das betrifft die Standorte Simmeringer Hauptstraße 67, Strohgasse 9, Keplergasse 12, Humboldtgasse 29, Wiedner Hauptstraße 24 und Lederergasse 20. Kein Kind werde allerdings auf der Straße stehen, sondern auf benachbarte Alt-Wien-Einrichtungen aufgeteilt.

Am Donnerstag gibt es eine erste Gläubigerversammlung vor dem Insolvenzgericht. Dort werden die Gläubiger über die aktuellen Entwicklungen informiert. (APA, 13.9.2016)

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