Regierung beschloss Katastrophenhilfe für Afritz

13. September 2016, 12:53
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Einmalhilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus Katastrophenfonds – Black-Hawk-Hubschrauber hilft beim Aufräumen

Afritz am See – Neun Tage nach den verheerenden Murenabgängen in der Kärntner Gemeinde Afritz (Bezirk Villach-Land) hat die Bundesregierung eine Katastrophenhilfe in der Höhe von 1,5 Millionen Euro beschlossen. ÖVP-Koalitionskoordinator Harald Mahrer (ÖVP) sprach am Dienstag nach dem Ministerrat von einer "schnellen Einmalhilfe" aus dem Katastrophenfonds.

Bis Dienstag sind die meisten Helfer aus dem Dorf wieder abgezogen worden. "Derzeit ist noch schweres Gerät im Einsatz, um den Schutt wegzuführen", sagte Libert Pekoll, der Bezirksfeuerwehrkommandant von Villach-Land. Rund 20.000 Kubikmeter Geröll- und Schlammmassen müssen beseitigt werden.

Die Feuerwehr war am Dienstag noch mit 15 Mann im Einsatz. "Wir sind noch bei einem Haus beschäftigt. Im Keller des Gebäudes ist der Schlamm mit Heizöl verunreinigt, das muss alles händisch ausgeschaufelt werden. Das ist unser letzter Auftrag, ich denke, wir werden am Mittwoch damit fertig sein", sagte Pekoll.

Nur eine Garage stärker beschädigt

Das Bundesheer konzentriert seine Arbeiten nun auf den Tronitzerbachgraben, wo die Muren ihren Ausgang nahmen. Motorsägentrupps der Pioniere bearbeiten dort 80 verspannte und verkeilte Bäume, die bei weiteren Unwettern den Bachverlauf verklausen könnten. Sie erhalten ab morgen, Mittwoch, auch Unterstützung aus der Luft, teilte das Bundesheer in einer Aussendung mit: Ein Black-Hawk-Hubschrauber soll Bäume, die nicht per Seilwinde geräumt werden können, aus dem Graben fliegen.

Unterdessen sind die 40 Häuser, die im Ortsteil Kraa durch die Muren beschädigt wurden, wieder bewohnbar. "Es ist unterschiedlich, wie stark sie beschädigt wurden. Bei manchen Gebäuden brauchten wir nur die Außenfassade abwaschen, bei anderen waren die Keller und Wohnräume komplett mit Schlamm gefüllt. Bis alles ausgetrocknet ist, wird es natürlich noch eine Zeit dauern", sagte Pekoll. Ein Statiker hat bis auf weiteres grünes Licht für die Bewohner gegeben – lediglich eine Garage sei stärker beschädigt worden.

Der Afritzer Ortsteil Kraa war in den vergangenen Wochen gleich zweimal von Murenabgängen verwüstet worden. Hielten sich die Schäden nach dem Unwetter vom 29. August noch in Grenzen, so waren die Folgen von mehreren Murenabgängen am 4. September fatal: Zivilschutzalarm wurde ausgelöst, 163 Personen mussten ihre Häuser verlassen und durften erst Tage später zurück. Bei den Aufräumarbeiten waren hunderte Helfer im Einsatz, die Schlammschicht im Ort war bis zu zwei Meter hoch.

Unterstützung durch das Land in Tirol

Auch in Tirol wird nach den schweren Unwettern am vergangenen Samstagabend im Bezirk Landeck Privatpersonen und Unternehmen eine Beihilfe in der Höhe von 50 Prozent des geschätzten Schadens gewährt. Die Hälfte der Unterstützung werde als Soforthilfe ausgezahlt, erklärte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Dienstag in einer Aussendung.

Ein entsprechender Beschluss war von der Landesregierung zuvor in ihrer Sitzung gefasst worden. Der gesamte Schaden betrage insgesamt fast sieben Millionen Euro, hieß es. Eine erste Grobschätzung ging von einem privaten Gesamtschaden von rund fünf Millionen Euro aus. Die Wiederherstellung der Schutzfunktion und Funktionsfähigkeit von Verbauungen sowie Ausräumungen im Bereich des Schutzwasserbaus wurden mit rund 900.000 Euro bemessen. Für die Instandsetzung der Landesstraße B171 rechnete das Land mit einem Aufwand von 120.000 Euro. Darüber hinaus sei ein Schaden von rund 600.000 Euro im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung entstanden, der Landesanteil davon betrage 200.000 Euro.

Aufgrund des Hagelunwetters hatten sich Murenabgänge ereignet, wodurch es in weiterer Folge zu Überflutungen in der Gemeinde Grins kam. Das Flussbett der Sanna war durch eine Mure verschüttet worden. Mehrere tausend Kubikmeter Geröll setzten sich in Bewegung. Durch das aufgestaute Gewässer wurden Häuser und ein Gewerbegebiet überflutet. Vorübergehend wurde Zivilschutzalarm ausgelöst, zudem hatte man 73 Personen in Sicherheit gebracht. Betroffen waren neben Grins auch die Gemeinden Pians und Strengen.

Die Aufräumarbeiten gingen nach Angaben des Landes unterdessen gut voran. Die Sanna sei zurück im alten Flussbett, zudem wurde ein temporärer Ablenkdamm errichtet, der das Abfließen der Sanna in das ursprüngliche Bachbett zusätzlich unterstützt. Die Räumung des Flussbetts in Pians beginne noch am Dienstag. (APA, 13.9.2016)

  • Die Aufräumarbeiten in Afritz sind nahezu abgeschlossen.
    foto: apa/gert eggenberger

    Die Aufräumarbeiten in Afritz sind nahezu abgeschlossen.

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