USA: Netflix fordert echte Flatrates für Internetnutzer

13. September 2016, 12:49
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FCC soll Datenlimits abschaffen – Betreiber sehen keine Zuständigkeit des Regulators

Wer hierzulande über ADSL oder Kabel im Netz unterwegs ist, hat üblicherweise einen echten Flatrate-Tarif. Das bedeutet: Für den monatlichen Fixpreis ist eine – meist im Rahmen lockerer Fair-Use-Regelungen – unlimitierte Nutzung möglich. Beschränkungen auf ein bestimmtes Gigabyte-Limit gibt es nicht.

Anders sieht es in den USA aus, wo unlimitierte Tarife selten und üblicherweise sehr teuer sind. Die in vielen Gebieten klar abgegrenzten Territorien großer Betreiber wie Verizon oder Comcast verschärfen die Situation durch Mangel an Konkurrenz. Alternative Anbieter, wie etwa Google Fiber, sind vielerorts nicht verfügbar und können die Marktführer bislang noch nicht in Bedrängnis bringen.

FCC soll Zwangsmaßnahmen setzen

Im Rahmen der jährlichen Untersuchung der Regulierungsbehörde FCC hinsichtlich des laufenden Ausbaus von Breitbandinternet hat sich aber nun der Videostreaming-Anbieter Netflix zu Wort gemeldet. Dort fordert man, dass der Regulator die Provider notfalls dazu zwingen sollte, die Datentransferlimits abzuschaffen, wie Ars Technica berichtet.

"Einschränkungen, insbesondere niedrige Datenlimits, und nutzungsbasierte Preismodelle halten Konsumenten von der Verwendung von Breitbandinternet ab und kann manche Haushalte daran hindern, Internet-TV in gewünschtem Umfang in Anspruch zu nehmen", argumentiert man in einem Schreiben. Daher solle die FCC generell gegen Datenlimits bei kabelbasierten Angeboten vorgehen, aber auch gegen niedrige Beschränkungen bei mobilem Breitband.

300 GB sind nicht genug

Die 300 GB-Obergrenze, die bei vielen Paketen gilt, sei gerade einmal genug, um den Streaming-Bedarf des "durchschnittlichen Amerikaners" abzudecken. Andere Tätigkeiten, wie Browsen, Gaming oder das Herunterladen von Spielen und Anwendungen, seien dabei noch gar nicht berücksichtigt. Derlei Limits seien eine "unnötige Behinderung" der Möglichkeiten neuerer Telekommunikationsdienste.

Die Provider würden die Datenobergrenzen zwar mit der Zeit anheben, aber nur viel zu langsam. Man verweist auch auf eine Regierungsuntersuchung aus 2014, in der die Telekomanbieter meldeten, nicht unter einer "Verstopfung" ihrer Netze zu leiden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass einzelne Streamingservices durch Zero-Rate-Tarife – also das Ausnehmen aus der Datenverkehrsberechnung – aus Gewinninteressen bevorteilt werden könnten.

Zuständigkeitsfrage

Gefordert wird, dass die FCC nun Gebrauch des Abschnitts 706 des Telecommunications Act mache. Dieser ermöglicht es der Behörde, die Provider zu Maßnahmen zu zwingen, wenn der Ausbau von Internetdiensten ins Stocken gerät. Dazu steht ihr theoretisch auch das Recht zu, in Preismodelle zu.

Allerdings gibt es unterschiedliche Ansichten, ob besagter Abschnitt hier überhaupt zum Tragen kommt. Nach Ansicht von Comcast und Co. handelt es sich nicht um ein Instrument für Fragen abseits der geografischen Verfügbarkeit von Breitbanddiensten. (gpi, 13.09.2016)

  • Geht es nach Netflix, so sollen echte Internet-Flatrates in den USA bald zum Standard werden.
    foto: derstandard.at/pichler

    Geht es nach Netflix, so sollen echte Internet-Flatrates in den USA bald zum Standard werden.

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