Werberestriktionen für krankmachende Ernährung gefordert

13. September 2016, 11:03
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WHO und ÖAIE: Regierung muss Kinder schützen – Österreich hinkt bei Umsetzung von Präventionsmaßnahmen hinten nach

Wien – Laut einer aktuellen Studie der WHO sind insbesondere Kinder und Jugendliche nach wie vor zu stark der Werbung für ungesunde Lebensmittel ausgesetzt. Österreich hinkt bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen stark nach, so das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE). Die Regierung wurde aufgefordert, "endlich aktiv zu werden".

Gesunde Lebensmittel müssen billiger gemacht werden. Auf europäischer Ebene und in Ländern wie Großbritannien und Deutschland würden bereits Maßnahmen wie Werberestriktionen und Eingriffe in die Preisgestaltung von Lebensmitteln bereits auf der politischen Tagesordnung stehen, so das ÖAIE.

Übergewicht

Durch ungesunde Ernährung bedingtes Übergewicht zählt zu den Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, die nach wie vor Todesursache Nr. 1 sind. Darüber hinaus belegen jüngste Studien, dass Übergewicht das Risiko für über zehn verschiedene Krebsarten deutlich erhöht.

"Bereits jetzt ist knapp ein Viertel aller 13- bis 17-Jährigen zu dick, Tendenz stark steigend. Wir müssen daher bereits im Kindesalter mit wirkungsvollen Präventionsmaßnahmen beginnen, um nicht eine Generation an chronisch Kranken heranzuziehen", forderte Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE.

Die WHO fordert bereits seit Jahren, insbesondere Kinder nicht mehr länger der Versuchung krankmachender Lebensmittel, die zu viel Fett, Zucker und Salz enthalten, auszusetzen. Bereits im Jahr 2010 unterzeichneten 192 WHO-Mitgliedsstaaten – darunter auch Österreich – eine Resolution, weltweit die Werbung für Essen und Getränke einzudämmen, die zu hohe Anteile an gesättigten Fettsäuren, Transfetten, Zucker und Salz enthielten.

Sanktionen gefordert

In einer diesen Sommer erschienenen Studie stellt die WHO fest, dass die bisher getroffenen Anstrengungen nicht ausreichen. Sie fordert alle Regierungen dazu auf, gesetzlich bindende Maßnahmen zu schaffen und Produzenten zur Rechenschaft zu ziehen, die sich nicht an Werberestriktionen halten. "Mit bloßen Aufklärungs- und Informationskampagnen ist es bei weitem noch nicht getan", konstatierte auch Widhalm. "Wir brauchen in Österreich endlich gesetzlich verankerte, nachweislich wirkungsvolle Maßnahmen, um das Problem des steigenden Übergewichts insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in den Griff zu bekommen. Es ist schockierend, wie in Österreich für nachweislich krankmachende Produkte wie fettes Fleisch, Fast Food und zuckerhaltige Softdrinks geworben werden darf."

Während in Österreich bisher so gut wie keine wirkungsvollen Maßnahmen getroffen wurden, brachte die Europäische Kommission eine neue Gesetzesvorlage ein, wonach die Nahrungsmittelindustrie auf freiwilliger Basis die Werbung für ungesunde Produkte einschränken soll, so das ÖAIE. Außerdem solle Werbung künftig auch nicht positive Aspekte eines Produktes hervorheben dürfen, wenn das Produkt insgesamt einen zu hohen Anteil an Fett, Zucker oder Salz enthält.

Gesunde Produkte billiger machen

Eine Studie der American Society for Nutrition zeigt laut ÖAIE auf, dass eine Beeinflussung der Preisgestaltung auch abseits neuer Steuern funktionieren kann: Über ein Jahr hinweg erhielten 7.500 Haushalte mit niedrigem Einkommen 30 Prozent Rabatt auf Einkäufe von gesundem Obst und Gemüse. Als Ergebnis kam heraus, dass diese Gruppe um rund 20 Prozent mehr gesunde Nahrungsmittel konsumierte als die Vergleichsgruppe.

"Diese Studie zeigt, dass staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung nicht automatisch mit der Einführung neuer Steuern einhergehen müssen", sagte Widhalm. "Gesunde Produkte billiger zu machen, ist sicher die beste Möglichkeit, das Ernährungsverhalten der Menschen positiv zu beeinflussen." (APA, 13.92016)

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