Tischtennis: Gardos holt Österreichs erste Medaille bei Paralympics

13. September 2016, 06:24
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Mit den Tipps via Whatsapp zu Bronze: Glatter 3:0-Sieg im Einzel gegen Chinesen Hao Lian

Rio de Janeiro – Je länger er spielt, desto mehr Schmerzen hat er. Also machte es Krisztian Gardos am Montagabend kurz und schmerzlos. In nur 20 Minuten fertigte der 41-jährige Tiroler im Spiel um Platz drei des Tischtennisbewerbs in der Klasse zehn bei den Paralympics den Chinesen Lian Hao 11:9, 11:7, 11:4 ab. "Meine ersten Spiele und gleich eine Medaille – super! Davon habe ich nicht zu träumen gewagt." Gardos sorgte damit für Österreichs erste Medaille bei den Paralympischen Sommerspielen in Rio.

Der gebürtige Ungar leidet seit 2010 an einer Hüftarthrose, ist dadurch in seiner Bewegung eingeschränkt. Am Montagabend war davon kaum etwas zu merken. Gardos war perfekt auf seinen Gegner eingestellt. Davor hatte er gegen den favorisierten Chinesen in drei Begegnungen zweimal verloren. Vor dem vierten Aufeinandertreffen überließ er nichts dem Zufall. Am Tag vor dem Bronzematch unterhielt er sich mit seinem Extrainer via Whatsapp über den Kontrahenten. Tipps ließ er sich auch von seinem Vater und von Bruder Robert, Österreichs zweitbestem Tischtennisspieler, geben. "Ich habe eine halbe Stunde mit Robby gesprochen. Wir haben darüber geredet, was man gegen Chinesen spielen soll, wenn es eng ist, und was nicht." Fast den ganzen Nachmittag hat sich Gardos, der in seiner Klasse auf Weltranglistenposition acht liegt, mit seinem um drei Positionen besser platzierten Gegner auseinandergesetzt. Und der 21-Jährige zeigte Wirkung.

"Bei 8:4 im dritten Satz war er sehr passiv, er stand da und wusste nicht, was los war – da habe ich das Gefühl gehabt, ich kann ihn packen." Ein extrem langer Ballwechsel führte zum Matchball. "Das war der wichtigste Punkt, ich dachte: Mach keinen Fehler, mach keinen Fehler. Danach habe ich keine Luft mehr bekommen." Noch tags zuvor hatte Gardos erzählt, dass geduldig zu bleiben, manchmal ein Problem für ihn sei.

Einen Chinesen geschlagen zu haben war für Gardos besonders wertvoll. "Um gegen sie zu gewinnen, muss man schon gut spielen und die richtige Taktik wählen. Sie sind nicht so leichtsinnig wie viele andere junge Leute."

Gardos wollte einfach nur sein Spiel durchziehen. "Ich wusste, wenn es funktioniert, dann habe ich eine Chance zu gewinnen." Die Chance hat er genützt. Selbstverständlich ist die Bronzemedaille der größte Erfolg in der Karriere des Krisztian Gardos. "Es war ein unglaublicher Druck, ich bin sehr glücklich." (Birgit Riezinger aus Rio de Janeiro, 13.9.2016)

  • Zuerst der Jubel ...
    foto: öpc/franz baldauf

    Zuerst der Jubel ...

  • ... und dann die Medaille: Krisztian Gardos.
    foto: öpc/franz baldauf

    ... und dann die Medaille: Krisztian Gardos.

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