Wo sich Sportler ihre Ersatzteile holen

13. September 2016, 16:36
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Im Reparaturzentrum der Paralympics werden Rollstuhlreifen ausgetauscht, Arm- und Beinprothesen repariert. Täglich werden bis zu 200 Aufträge von Sportlern und Sportlerinnen bearbeitet. Unter den 100 Mitarbeitern ist auch die Wienerin Sonja Wagner

Im Vorraum parken Rollstühle, manche sind schon repariert, manche müssen noch gerichtet werden. Drinnen fliegen die Funken, es wird geschweißt, gesägt, genäht, ausgetauscht, ausgebessert. Vieles wurde bei den Paralympics von den Olympischen Spielen übernommen. Aber ein Reparaturzentrum samt Ersatzteillager gibt es nur bei diesen Spielen. Bei den Paralympics ist eben auch viel Technik im Spiel. Mitten im paralympischen Dorf gibt's Rettung für platte Rollstuhlreifen, kaputte Prothesen und mehr.

Die deutsche Firma Ottobock betreibt das 650 Quadratmeter große technische Reparatur- und Servicezentrum. Kleinere Werkstätten gibt es noch an 14 Wettkampfstätten.

100 Mitarbeiter aus 29 Ländern, davon 77 Techniker und Technikerinnen, sind während der Paralympischen Spiele hier beschäftigt. Eine von ihnen ist Sonja Wagner. Die Wienerin arbeitet in der Wiener Niederlassung des Unternehmens, sie ist erstmals bei den Paralympics. "Es ist total cool", sagt sie, "ich würde es sofort wieder machen." Von Beruf Orthopädietechnikerin, ist Wagner nebenbei auch gelernte Schneiderin. Eine optimale Kombination. Mit einer besonders starken Nähmaschine kann sie etwa Stoffteile von Rollstühlen nähen. "Mein Job erfordert viel Kreativität", sagt sie.

Auch Werkzeugmacher und Schweißer sind hier beschäftigt. Im Zweischichtbetrieb wird gearbeitet. Zwischen 7.30 und 23 Uhr können Sportler und Sportlerinnen Reparatur- oder Ersatzteilaufträge aufgeben. Manche Aufgabenstellungen sind durchaus komplex. "Heute Früh hatten wir eine komplett kaputte Prothese", erzählt Wagner. In zwei Stunden war die Prothese repariert. Beschwerden hat Wagner noch nicht vernommen. "Es wurde noch nichts zurückgegeben."

In drei Containern wurden 15.000 Ersatzteile mit 18 Tonnen Gesamtgewicht nach Brasilien verschifft. Darunter sind auch Teile von anderen Herstellern. Noch ist nichts ausgegangen.

Wagner zeigt die Sportkarbonfedern, die durchaus schon für Aufregung sorgten. Der inzwischen wegen Mordes zu sechs Jahren Haft verurteilte Südafrikaner Oscar Pistorius hatte 2012 in London als erster Prothesenläufer bei Olympischen Spielen laufen dürfen. Der Deutsche Markus Rehm, übrigens ein Orthopädietechnikermeister, sprang mit einer Feder 8,40 Meter weit, er wurde 2014 deutscher Meister bei den Nichtbehinderten, aber nicht zu deren Europameisterschaft zugelassen. Die Sprungfeder würde ihm einen Vorteil verschaffen, hieß es.

Die Karbonfeder jedenfalls ist nur für den Sport geeignet. Schon normal zu gehen ist mit ihr schwierig. Im Servicezentrum werden aber auch Alltagsprothesen repariert. Mit mehr als 2.000 Reparaturen rechnete man bei Ottobock im Rahmen der Paralympics, an Spitzentagen werden rund 200 Aufträge ausgeführt. "Ich habe einen Auftrag für dich", sagt ein Kollege am Ende der kleinen Führung zu Sonja Wagner. Es gibt eben viel zu tun. (Birgit Riezinger, 12.9.2016)

Diese Reise erfolgte teilweise auf Einladung des ÖPC.

  • Sonja Wagner, Schneiderin und Orthopädietechnikerin aus Wien.
    foto: riezinger

    Sonja Wagner, Schneiderin und Orthopädietechnikerin aus Wien.

  • Damit zu gehen wäre sehr schwierig. Doch für den Sport eignen sich Karbonfedern wunderbar. Vorlauf über 100 Meter mit dem Brasilianer Alan Fonteles Cardoso Oliveira, dem Deutschen Johannes Floors und dem Neuseeländer Liam Malone (von links nach rechts).
    foto: apa/afp/chiba

    Damit zu gehen wäre sehr schwierig. Doch für den Sport eignen sich Karbonfedern wunderbar. Vorlauf über 100 Meter mit dem Brasilianer Alan Fonteles Cardoso Oliveira, dem Deutschen Johannes Floors und dem Neuseeländer Liam Malone (von links nach rechts).

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