Gegenwind für OMV bei Teilverkauf des Gasnetzes

13. September 2016, 07:00
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Der Verkauf der Gas Connect Austria geht in die Zielgerade. Der Preis ist angeblich schlechter als erwartet

Wien – In richtig ruhigem Fahrwasser ist der Energiekonzern OMV schon länger nicht mehr unterwegs. Niedriger Ölpreis, riesige Abschreibungen 2015, die neue Strategie von Konzernchef Rainer Seele samt Asset-Tausch mit der russischen Gazprom sorgen für Wellengang. Nun steht der Verkauf von 49 Prozent der OMV-Tochter Gas Connect Austria (GCA) an, der Aufsichtsrat unter Ex-Siemensianer Peter Löscher will in einer Sitzung am 21. September entscheiden, an wen der Gasnetzbetreiber geht.

Zwei Konsortien hatten zuletzt die besten Karten: jenes des australischen Fonds Macquarie mit slowakischer EU Stream, hinter der die private tschechische Energiegesellschaft EPH steht, und das Konsortium aus deutscher Allianz und italienischem Netzbetreiber Snam. Letzterer gehören fast 85 Prozent der österreichischen Trans-Austria-Gasleitung, den Rest hält die GCA. Derzeit sollen die deutsch-italienischen Interessenten die Nase vorn haben.

Wackelnder Erlös

Rund 600 Millionen Euro erhofft sich die OMV aus dem GCA-Verkauf angeblich – dieser Erlös könnte nun aber wackeln. Wie aus dem Projektausschuss des Aufsichtsrats zu hören ist, soll es schon vor Wochen unterschriftsreife Unterlagen in dem Gremium, in dem Löscher Vize-Vorsitzender ist, gegeben haben. Die Entscheidung sei aber aufgeschoben worden.

Das könnte sich unter Umständen rächen. In der Zwischenzeit nämlich, so das On-dit, wollen die Bestbieter neu verhandeln und den Preis um rund 100 Millionen Euro drücken. Hintergrund: Der Regulator E-Control, der die Renditen für den Betrieb von Gasleitungen (sind Monopole) festsetzt, könnte selbige demnächst senken. Das entspräche einer Anpassung an die aktuelle Zinslandschaft, die zu Änderungen beim Investment der potenziellen GCA-Erwerber führen würde. In der OMV kommentiert man diese Gerüchte nicht – unter Hinweis aufs laufende Verkaufsverfahren. Dasselbe gilt für den Verkauf der türkischen Tankstellenkette Petrol Ofisi und das Gerücht, dass ein arabischer Investor sein Interesse an der Kette bei der OMV deponiert habe.

Die rund 260 Mitarbeiter der Gas Connect Austria werden sich mit dem Verkauf übrigens am Mittwoch beschäftigen, da findet eine Betriebsversammlung statt.

Kein Konzernbetriebsrat

Stichwort Betriebsversammlung: Konzernbetriebsrat wird es in Österreichs größtem Industriekonzern mit seinen rund 25.000 Mitarbeitern in absehbarer Zeit keinen geben. Der letzte hat sich ja im Juli aufgelöst. Seither konnten die fünf OMV-Betriebsratskörperschaften ihren Streit um den Vorsitz im Gremium sowie um die Entsendung von fünf Betriebsratsmitgliedern in den Aufsichtsrat nicht beilegen. In den nächsten Tagen werden die Betriebsräte daher ein Wahlverfahren einleiten, um die Aufsichtsratsmandate zu besetzen.

Neben den GCA-Querelen gibt es auch Probleme in Norwegen. Dort will man die Beteiligung an überteuert gekauften Nordsee-Ölfeldern an die Gazprom übertragen, um im Gegenzug eine Beteiligung an den sibirischen Gasfeldern Achimov IV und V zu erhalten. Allein: Die Skandinavier sollen über den Markteintritt der Russen alles andere als erfreut sein, kursiert schon seit Bekanntgabe des geplanten Deals Anfang April.

Nun hoffen die Österreicher, eine Lösung gefunden zu haben, wie aus dem Aufsichtsrat zu hören ist. Demnach will die OMV Zugeständnisse gegenüber dem hartnäckigen norwegischen Ölminister Tord André Lien machen: Die Gazprom-Beteiligung an OMV Norge soll maximal 25 Prozent ausmachen. Was allerdings auch einen gravierenden Nachteil hätte: Je niedriger der Anteil der Russen an den Nordsee-Assets ist, desto mehr muss der heimische Energiekonzern an Bargeld drauflegen. Die Bezeichnung Tauschgeschäft wäre dann nicht mehr ganz korrekt. (Renate Graber, Andreas Schnauder, 13.9.2016)

  • Der Aufsichtsrat will in einer Sitzung am 21. September entscheiden, an wen der Gasnetzbetreiber geht.
    foto: reuters/bader

    Der Aufsichtsrat will in einer Sitzung am 21. September entscheiden, an wen der Gasnetzbetreiber geht.

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