General Haftars Kampf um Libyens Ölressourcen

12. September 2016, 17:27
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Rückschlag für international anerkannte Einheitsregierung – Uno warnt vor Spaltung

Tripolis/Kairo – Völlig überraschend haben am Sonntag Einheiten der parallelen, international nicht anerkannten Behörden in Tobruk einen Angriff gegen die Ölinstallationen in Zentrallibyen gestartet. Der Zeitpunkt, der nach den Worten von General Khalifa Haftar lange vorbereiteten Offensive, war sorgfältig gewählt; am Vortag des höchsten muslimischen Festes – Regierungschef Fayez al-Serraj war da außerdem auf dem Weg ins Ausland – und just in einem Moment, da die gegnerischen bewaffneten Kräfte aus Misrata in der Endphase ihres Kampfes gegen den lokalen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Sirte engagiert sind.

Am Montag fiel mit Zuweitina nach al-Sidra und Ras Lanuf auch der letzte der drei wichtigsten Ölterminals in die Hände des abtrünnigen Generals, der seit Monaten versucht, sich als stärkster Mann in Libyen zu etablieren. Die Operation verlief ohne Blutvergießen. Lediglich ein kleiner Öltank fing Berichten zufolge Feuer.

Die von Ibrahim Jadran geführten Ölinstallationsgarden ließen sich nicht in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickeln. Die Milizen, die keinem Gesetz unterstehen – gemeint waren die Jadran-Einheiten – seien vertrieben worden, erklärte Haftar nach der Operation und kündigte an, nachdem seine Kontrolle fest verankert sei, würden die Anlagen der Nationalen Ölgesellschaft NOC übergeben. Deren Führung hat sich zu einer Krisensitzung zusammengesetzt und trifft Maßnahmen, um Schäden möglichst zu vermeiden.

IS als Nutznießer

Mit dem überraschenden Handstreich hat Haftar den Kampf um Libyens Reichtum in eine neue Runde geführt. Der UN-Gesandte Martin Kobler zeigte sich besorgt und warnte vor einer weiteren Spaltung des Landes. Serraj, der Vorsitzende der von der UN vermittelten Regierung der Nationalen Einheit, sprach von einer flagranten Verletzung des politischen Abkommens, das besage, dass die Kontrolle über das Öl nur den legitimen Organen zustehe. Nutznießer dieser Aggression seien ausländische Kräfte, die hinter Haftar stehen – und der IS.

Die Kontrolle um das Öl ist der zentrale Faktor im blutigen Machtkampf der beiden rivalisierenden Blöcke in Tobruk und in Tripolis. Für Serraj, dem es in den vergangenen Monaten nicht gelang, eine starke Regierung aufzubauen und den Segen des Parlamentes zu erhalten, bedeutet Haftars Überfall einen weiteren Rückschlag.

Libyen verfügt über die größten Ölreserven in Afrika. Als Folge von Gewalt und bewaffneten Auseinandersetzungen seit dem Sturz der Diktatur sind die Einnahmen aber auf etwa ein Zehntel des vormaligen Niveaus unter Diktator Muammar al-Gaddafi geschrumpft. Die Produktion beträgt derzeit noch rund 250.000 Barrel (ein Barrel: 158,99 Liter) pro Tag.

Erst Ende Juli waren diese Häfen nach mehreren Monaten wegen Streiks und Kämpfen mit den IS wieder geöffnet worden; mit dem Ziel, die Produktion bis zum Jahresende auf 600.000 Fass pro Tag hochzuschrauben. Haftar hatte damals die Einigung mit den Ölinstallationsgarden abgelehnt und gedroht, jeden Tanker in Brand zu setzen, der sich einem dieser Häfen nähere. (Astrid Frefel, 13.9.2016)

  • Ölterminals wie jener von Ras Lanuf (Archivbild 2014) sind zurzeit Ziel militärischer Angriffe.
    foto: reuters / e. al-fetori

    Ölterminals wie jener von Ras Lanuf (Archivbild 2014) sind zurzeit Ziel militärischer Angriffe.

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