"Der eingebildete Kranke": Im Zweifel gegen die Spritze

12. September 2016, 15:18
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Das Wiener Kindertheater hat auf Molières Spuren im MuTH eine verschwenderische Krankenstation eingerichtet

Es ist gewiss keine Kleinigkeit, Kindern in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts die segensreiche Wirkung einer Klistierspritze vor Augen zu führen. Der eingebildete Kranke von Molière handelt bekanntlich von einem besonders hartnäckigen Fall von Hypochondrie. Der Bürger Argan (Franz Josef Ertl) lässt sich von seinem Hausmediziner so lange purgieren, bis seinen nächsten Anverwandten der Kragen platzt.

Das Wiener Kindertheater hat auf Molières Spuren im MuTH eine verschwenderische Krankenstation eingerichtet. Eleven der Ballettakademie der Wiener Staatsoper recken die Spritze nicht nur als Marterwerkzeug in die Höhe, sie tanzen auch allerliebst. Argan, der prächtig deklamiert, werden die Gedärme bei lebendigem Leibe herausgezogen, Gott sei Dank ist wenigstens die Zofe Toinette (Viktoria Euler-Rolle) nicht auf den Mund gefallen. Sie geigt dem vermeintlich Hinfälligen die Meinung! Ein echter Spaß für Jung und Alt (Regie: Sylvia Rotter / Barbara Rosenberger); ein üppiger Augenschmaus sind die barocken Zwischenspiele. (poh, 12.9.2016)

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