Jaguar F-Type SVR: Ziemlich schnellste Freunde

12. September 2016, 11:21
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Martin war mit mir in der Klasse und mit seinem Jaguar F-Type R glücklich. Bis ich ihm den SVR zeigte. Ein akustisches Feuerwerk erschütterte den Mann in seinen Grundfesten, die dramatischen Leistungsdaten sprechen ohnedies für sich. Aber hören Sie einmal zu

Red Bull Ring – Unlängst traf ich meinen alten Schulfreund Martin wieder. Am Red Bull Ring. Er war privat dort, als Kunde bei einem "Jaguar Track Day", ich beruflich, als Schreiberling. In der Schule hatten wir viel Spaß miteinander, er war (und ist) ein Lustiger, allerdings hatte er immer die guten Noten und ich nicht, Gitarre spielen konnte er auch noch, dafür hatte ich die längeren Haare. Nach der Schule gingen unsere Wege auseinander, seine in Richtung Ordentlich-Geld-Verdienen, meine in Richtung Journalismus.

foto: jaguar
Britisches Wetter am steirischen Ring: Zu fahren war der Jaguar F-Type SVR, der immerhin 575 PS zur Verfügung stellt. Es war schlüpfrig und dennoch rasant.

Am Ring trafen wir also wieder aufeinander, wir herzten uns kurz, dann wandten wir uns dem Objekt unseres Interesses und unserer Begierde zu: dem Jaguar F-Type SVR. Wir wussten: neu und heiß. Der SVR ist der stärkste und schnellste Serien-Jaguar ever, vielleicht nicht der teuerste aller Zeiten. (Gerhard Berger hatte einmal einen XJ 220, der hat damals eine beachtliche Million Schilling gekostet, der Lehrbub von der Werkstatt hat ihn bei einer nächtlichen Ausfahrt verschrottet.)

F-Type und Bleistift

Martin war mit seinem F-Type R dort, eine Neuerwerbung und bei weitem nicht sein einziges Auto. Ich mit dem Ford Edge, einem Testwagen, in dem jemand Dostojewskis Schuld und Sühne liegenlassen hatte. Martin wollte am Ring ein bisschen gustieren, ich spitzte dagegen den Bleistift.

foto: jaguar
In 3,7 Sekunden sprintet der SVR von 0 auf 100 km/h.

"Schau", sagte ich in der Absicht, ihm seinen F-Type R madigzumachen, "der SVR macht den Sprint von null auf hundert in 3,7 Sekunden. Um 0,4 Sekunden schneller als deine Hütte. Welten sind das!" Das Coupé gehe immerhin 322 km/h. "Das Cabrio ist nichts für dich", erklärte ich, "da bringst das Gepäck deiner Frau nicht unter." Ginge aber immerhin auch noch 314 km/h.

5-Liter-V8-Kompressor

Der schnelle Jaguar wurde von Special Vehicle Operations (ähnlich wie AMG bei Mercedes oder M Power bei BMW) entwickelt, erklärte ich Martin und fasste gütig zusammen: mehr PS, weniger Kilo, sportlicheres Fahrwerk, aktivere Aerodynamik. "Alles klar?"

Tatsächlich wurde der 5,0-Liter-V8-Kompressor auf 575 PS gesteigert. (Martin seiner hat bloß 550 PS.) Der SVR hat 25 Kilo weniger Gewicht, das ist nicht nichts. "Und wenn du das Carbondach und die Carbonbremsen nimmst, sparst noch einmal 25 Kilo", erklärte ich. Kostet allerdings extra.

foto: jaguar
Der SVR ist noch einmal 25 Kilogramm leichter.

Martin legte den Kopf schief, nickte ein wenig und schürzte die Lippen. Er hatte angebissen. Was könnte ich noch ins Treffen führen? Größere Lufteinlässe an der Frontschürze, die breiteren Reifen, den geilen Heckflügel, das besser abgestimmte Achtstufen-Automatikgetriebe, den neu programmierten Allradantrieb, die super Auspuffanlage aus Titan. "Und schau einmal, Martin", sagte ich und wies aufs Rohr, "da ist SVR eingraviert". Martin wirkte beeindruckt.

Schallklappen

Das Beste sollte aber erst kommen. "Setz ma uns einmal rein", sagte ich, "schnall dich an und hör gut zu." Startknopf. Der Jaguar knurrte, Martin blickte irritiert um sich. Sportmodus rein, Schallklappen auf. "Das klingt dramatisch", sagte Martin. "Wart einmal, bis wir fahren", sagte ich. Wir schossen aus der Boxengasse raus, die erste Kurve nach rechts, dann Vollgas über eine leichte Linksbiegung den Hügel rauf bis zum erstmaligen Scharf-Anbremsen, es war ein fonetisches Feuerwerk: Der Motor rotzte und röhrte, schoss Böller ab beim Schalten, hustete und knatterte beim Runterschalten, ehe er beim neuerlichen Beschleunigen erst brabbelte, dann wieder brüllte. Martin kriegte die Kinnlade nicht mehr rauf.

foto: jaguar

Ich fuhr die Strecke beherzt, aber mit Respekt, in einer Kurvenkombination links nach rechts hatte ich einen ordentlichen Hacker drinnen, ich dankte Gott und der Dynamischen Stabilitätskontrolle, dass ich ebendiese nicht abgeschaltet hatte. Martin klappte seine Kinnlade wieder rauf. "Sorry", sagte ich. Auf der Start-Ziel-Geraden bauten wir lässig 200 km/h auf, die haarige Kurvenkombi nahm ich in der zweiten Runde geschmeidig und mit Bravour, lenkte schließlich zurück in die Boxenstraße. "Jetzt du", sagte ich.

Weiche Knie

Ein paar Runden später zog Martin seinen Körper aus dem Jaguar und suchte Halt am Wagendach. "Den überleg ich mir, aber ernsthaft!", keuchte er mit roten Wangen und weichen Knien. "Na gut", sagte ich, "ich geh dann einmal meinen Bericht schreiben." (By the way: Ich glaube, bin mir fast sicher, ich war schneller.) (Michael Völker, 12.9.2016)

foto: jaguar

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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