Sperrstund' in steirischen Museen

Blog12. September 2016, 12:17
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Berufstätige haben kaum eine Chance, wochentags Museen und Ausstellungen zu besuchen. Sie stehen meist vor bereits verschlossenen Türen

Graz – Es ist noch nicht allzu lange her, es war kurz vor der Schanigartenzeit, da meldete das Lokal Joan Insolvenz an. Zu wenige Gäste, zu wenig Umsatz. Dabei: Die Location hätte besser nicht sein können: Mitten im Museumsquadranten, im Joanneumsviertel; eine Oase der Ruhe direkt in der City, umgeben von historischer Architektur mit Blick auf die neuen gläsernen Abgänge in das Inneres des Museums. Eine durchaus spektakulären Optik. Aber eben: Das Lokal, das ja extra für das Joanneumsviertel konzipiert war, lebte auch und besonders von Museumsbesuchern.

Die Leitung des Universalmuseums Joanneum beeilte sich, jegliche Schuld von sich zu weisen. Das Café dürfe doch nicht nur mit den Besuchern des Museums rechnen. Jetzt versucht der nächste Pächter sein Glück. Aber bevor auch dieser wieder in die Pleite rutscht, wäre es vielleicht dienlich, wenn die Joanneum-Leitung die Museen auch einmal aufsperrt. Nämlich dann, wenn zum Beispiel auch berufstätige Besucher Zeit haben.

Es gibt ja kaum ein Museum in Österreich, das den Besuchern so wenige Chancen gibt, es auch zu besuchen. Das betrifft nicht nur dieses innerstädtische Museumsviertel. Alle Einrichtungen und Museen des Generalmuseums Joanneum – dazu zählt auch das wirklich weltberühmte und ziemlich einzigartige Zeughaus – haben von 10 bis 17 Uhr offen. Das Zeughaus zudem nur von März bis Oktober. Berufstätige haben de facto kaum eine Chance, die oft sehr gut kuratierten Ausstellungen zu besuchen.

In allen anderen Bundesländern werden wesentlich längere und besucherfreundlichere Öffnungszeiten der Museen angeboten. Vom Kunsthaus Bregenz über das Lentos in Linz bis zum Museum Moderne Kunst Kärnten (MMKK) in Klagenfurt sperren die wichtigsten Museen alle eine Stunde später, um 18 Uhr, und zumindest einmal in der Woche wird bis 20 Uhr oder länger offen gehalten.

Proppenvolles Kunsthaus

In der steirischen Landeshauptstadt hingegen leidet sogar das Kunsthaus, der Grazer Vorzeigetempel moderner Museumsarchitektur, unter den restriktiven Sperrstunden. Hier ist es zwar gelungen, ein integriertes großstädtisches Kunsthauscafé für jugendliches Publikum zu etablieren, das täglich bis in den späten Abend proppenvoll ist, das Kunsthaus zieht aus den tausenden Gästen aber keinen Nutzen, weil es zur Primetime einfach gesperrt ist.

In der Joanneum-Leitung weiß man natürlich um die Problematik der Öffnungszeiten, die die Besucherzahlen und letztlich die Eintrittsgelder auf einem niedrigen Level hält. "Es ist nicht eine Frage des Nichtwollens, sondern des Nichtkönnens", sagt der Geschäftsführer des Universalmuseums, Wolfgang Muchitsch. Längere Öffnungszeiten seien seit den 20-prozentigen Budgetkürzungen 2011 durch das Land Steiermark einfach nicht mehr möglich. Die Straffung der Öffnungszeiten sei Teil des damaligen Sparpakets gewesen. Das Budget sei inzwischen nicht mehr erhöht worden, daher habe sich auch an den Öffnungszeiten nichts geändert. "Wir würden gerne länger offen halten, aber das geht aus Kostengründen nicht", sagt Muchitsch.

Bemerkenswert: Kärnten, das nach der Hypo-Katastrophe budgetär völlig fertig ist, schafft es im Gegensatz zur Steiermark dennoch, seine Topmuseen auf österreichischem Niveau länger offen zu halten. (Walter Müller, 12.9.2016)

  • Bevor auch der neue Pächter des Lokals im Joanneumsviertel in die Pleite rutscht, wäre es vielleicht dienlich, wenn die Joanneum-Leitung die Museen auch einmal aufsperrt.
    foto: apa/leodolter

    Bevor auch der neue Pächter des Lokals im Joanneumsviertel in die Pleite rutscht, wäre es vielleicht dienlich, wenn die Joanneum-Leitung die Museen auch einmal aufsperrt.

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