Klangwolke Linz: Erleuchtung mit Botschaft

11. September 2016, 22:09
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Das Traditionsspektakel im Donaupark glänzte heuer auch inhaltlich

Linz – Die Linzer Klangwolke gilt als Fixpunkt im Kulturkalender der Stahlstadt. Seit 1979 wird jeden Herbst der Donaupark bespielt – wobei die Beständigkeit der Veranstaltung kein Garant für Qualität ist. Oft hatte man in den letzten Jahren das Gefühl eines reinen Technikspektakels, dem es an inhaltlichen Bezügen mangelte. Umso mehr überraschte die Visualisierte Klangwolke im heurigen Jahr: Thematisch am "Fluss des Wissens" angesiedelt, präsentierte sich die Traditionsveranstaltung am Samstagabend erfrischend anders und vor allem aussagekräftig.

Der Berliner Medienkünstler Salvatore Vanasco kredenzte nach Jahren der pyrotechnischen Einseitigkeit eine höchst politische Klangwolke. Immer noch ein gigantisches Licht-, Feuer- und Drohnenspektakel, aber mit einer klaren Botschaft für die 100.000 Zuschauer zwischen Lentos und Brucknerhaus.

Geladen hatte Vanasco zu einem Geburtstagsfest für die Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU). 50 Jahre Wissensvermittlung galt es zu feiern – womit sich auch der Titel der heurigen Klangwolke erklärt. Doch von einer reinen Jubelfeier war man weit weg. Zu den musikalischen Kompositionen von FM Einheit, ehemals Mitglied der Einstürzenden Neubauten, wurde der inhaltliche Bogen weit gespannt: vom Revolutionsjahr 1848 über die gewaltsame Niederschlagung der Tian'anmen-Bewegung 1989 in China und aktuelle Themen wie die Flüchtlingsbewegung, den Terror in Europa, die Situation in der Türkei bis hin zu wissenschaftlicher Selbstkritik. In Anlehnung an Friedrich Dürrenmatts Die Physiker skandierten Kinder: "Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden."

Beeindruckend war dann die Rede des JKU-Hausherrn. Rektor Meinhard Lukas rückte noch einmal die Situation in der Türkei in den Fokus: "Gerichte sind unabhängig, Wissenschaft, Kunst und Presse sind frei. So steht es in unserer Verfassung. Das ist Konsens in Europa. Nicht aber in der Türkei. Hier spricht die Politik ungeniert von Säuberungen. [...] Universitäten werden geschlossen, Medien verboten. Es regiert der Hass."

Lukas rief vor allem zur Solidarität mit der inhaftierten türkischen Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan auf: "Möge ihre Poesie stärker sein als der diffuse Hass in den Palästen der Macht".

Die Linzer Klangwolke hat den Weg zurück auf die ernst zu nehmende Kulturbühne gefunden. Es gilt nun auch in den kommenden Jahren, diesen Grat zwischen Spektakel und gesellschaftspolitischer Behauptung zu meistern. (Markus Rohrhofer, 11.9.2016)

  • Licht-, Feuer- und Drohnenspektakel zwischen Brucknerhaus und Lentos-Kunstmuseum: die Visualisierte Linzer Klangwolke.
    foto: apa / werner kerschbaummayr

    Licht-, Feuer- und Drohnenspektakel zwischen Brucknerhaus und Lentos-Kunstmuseum: die Visualisierte Linzer Klangwolke.


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