Italien vertagt Post-Privatisierung

11. September 2016, 16:46
posten

Anleger sind zögerlich – Schuldenabbau mitbetroffen

Rom/Mailand – Die für Herbst 2016 vorgesehene Teilprivatisierung von 30 Prozent der Anteile der Poste Italiane soll verschoben werden. Finanzminister Pier Carlo Padoan hat am Wochenende bestätigt, dass Poste Italiane "den Zeitpunkt wählen soll, den sie für geeignet hält". Die zweite Privatisierungstranche der Post sollte bis zu zwei Milliarden Euro in die Staatskasse spülen.

Durch den Aufschub wird die Regierung ihr Privatisierungsprogramm 2016 von acht Mrd. Euro kaum umsetzen können. Bislang sind nur 1,4 Mrd. Euro durch die Teilprivatisierung der Flugaufsichtsbehörde und des Retailgeschäfts der großen Bahnhöfe in die Staatskasse geflossen. Die Verschiebung des Postverkaufs wird den Schuldenabbau verzögern.

Die Gründe für die – auch von Mailänder Finanzkreisen avisierte – Planänderung: Ausländische Investoren zeigen sich derzeit gegenüber Anlagen in Italien vorsichtig. Sie wollen den Ausgang des Mitte November bis Anfang Dezember angesetzten Referendums über die Verfassungsreform abwarten. Ursprünglich hatte Regierungschef Matteo Renzi seinen Rückzug angekündigt, sollte die Reform nicht durchgehen. Auch wenn Renzi inzwischen seine Absichten geändert hat, ist die politische Verunsicherung groß.

Zudem ist Poste Italiane an der Vermögensverwaltungstochter der Unicredit, Pioneer, interessiert und soll ein unverbindliches Angebot dafür bis 20. September einreichen. Durch eine Fusion mit Pioneer würde Poste Italiane zum größten Vermögensverwalter des Landes avancieren. (tkb, 11.9.2016)

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