"Philosophie"-Serie auf Arte: Der tolerante Voltaire

11. September 2016, 15:53
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Jeden Sonntag lädt Raphaël Enthoven dazu ein, sich der Gedanken eines berühmten Denkers anzunehmen

Wer am Sonntag nach der Kirche ausnahmsweise keine Lust auf den Dorfwirt hat, kann auch nach Hause gehen und den Fernseher einschalten. Das soll aber nicht heißen, dass das Denken auch nach der Predigt ausgeschaltet bleiben muss. Im Gegenteil, nach dem Sermon kann man ruhigen Gewissens etwas über Toleranz erfahren. Wie wäre es mit Voltaire?

Jeden Sonntag lädt nämlich der Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven in der knapp halbstündigen Serie Philosophie auf Arte dazu ein, sich der Gedanken eines berühmten Denkers anzunehmen. Die formidable Leistung Enthovens, der mit seinem Gast durch das kleine Wohnzimmerstudio flaniert, besteht darin, aus der Vergangenheit eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen und sich zum Beispiel zu fragen: Voltaire – Ist Toleranz unverschämt?

Während Enthoven den Voltaire-Experten Alain Sager diesmal danach fragte, ob Toleranz denn nur "ein sanfter, liebenswerter Gedanke" sei, fragte sich unsereins, wie viele Hass-Postings in diesem Augenblick nicht geschrieben werden müssen. Richtige Antwort: alle.

Denn Toleranz sei, wie uns Sager erklärte, bereits bei Voltaire nicht als "weiches Kopfkissen" zu verstehen, und "wer sich darauf bettet, steht unterschiedlichen Meinungen und Glaubensrichtungen mit dumpfer Gleichgültigkeit gegenüber". Toleranz bedeutet nämlich, ganz im Sinne des Aufklärers, Kampf gegen Aberglauben, Fanatismus – und gegen Intoleranz. Und zwar "Ideen und Überzeugungen gegenüber, die nicht tolerierbar sind, weil sie selbst intolerant sind." In der nächsten Ausgabe geht es dann um Blasphemie. Den Kirchenwirt bitte auch kommenden Sonntag spritzen. (Michael Pekler, 11.9.2016)

  • Immer sonntags: Raphaël Enthoven präsentiert "Philosophie" auf Arte.
    foto: screenshot/arte.de

    Immer sonntags: Raphaël Enthoven präsentiert "Philosophie" auf Arte.

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