Zwei Crew-Mitglieder bei Schiffsunglück auf Main-Donau-Kanal getötet

11. September 2016, 15:42
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Starben in den Trümmern des Führerhauses – Dieses hätte eigentlich abgesenkt sein sollen

Erlangen – Ein Kreuzfahrtschiff ist auf dem Main-Donau-Kanal nachts an einer Brücke hängengeblieben – zwei Besatzungsmitglieder starben im zertrümmerten Führerhaus. In einer aufwendigen Bergungsaktion holten Rettungskräfte die Opfer im mittelfränkischen Erlangen von Bord. "Bei den Toten handelt es sich um zwei 33 und 49 Jahre alte Männer", sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Während der Ältere in Vertretung des Kapitäns der verantwortliche Schiffsführer war, handelt es sich bei dem Jüngeren um einen Matrosen. Beide Opfer stammen aus Ungarn.

Das Schiff hatte erst kurz vor dem Unglück seine Reise von Erlangen in die ungarische Hauptstadt Budapest angetreten. Nach der Havarie mussten etwa 180 Fahrgäste sowie die aus 49 Seeleuten bestehende Besatzung noch mehrere Stunden auf dem Unglücksboot verbringen, bis sie am Morgen an Land gebracht werden konnten. Rettungskräfte bauten dafür eigens einen Notsteg. Die Passagiere kamen zunächst mit Bussen in ein nahes Gemeindezentrum und wurden von Notfallseelsorgern betreut. Außer den beiden Todesopfern wurden keine Menschen verletzt.

Mehr als 200 Rettungskräfte waren an dem Einsatz beteiligt. Sie fanden einen katastrophalen Anblick vor: Das Führerhaus wurde bei dem Aufprall völlig zerstört, die beiden aus Ungarn stammenden Crewmitglieder waren eingeklemmt worden und in den Trümmern gestorben. Zur Bergung der beiden Opfer musste die Erlanger Feuerwehr schweres Gerät einsetzen.

Wie es zu dem Unglück kam, blieb zunächst offen. Offenbar sei das einziehbare Steuerhaus des Schiffes nicht rechtzeitig vor der Brücke abgesenkt worden, sagte ein Polizeisprecher. "Zur Unglücksursache kann man momentan noch gar nichts sagen, ob es rein menschliches Versagen oder ein technisches Problem oder eine Kombination von beidem ist", erläuterte der Sprecher. Gutachter, die Wasserschutzpolizei sowie die Staatsanwaltschaft seien vor Ort.

Die Reederei des unter Schweizer Flagge fahrenden Schiffes äußerte sich auf Anfrage ebenfalls zu der Havarie. "Es zerreißt uns das Herz, und Mitarbeiter sind in Nürnberg, um in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden die Details des Unfalls herauszufinden", teilte ein Sprecher von Viking River Cruises aus den USA mit. Die Gäste könnten nun wählen, ob sie nach Hause zurückkehren oder die Tour mit einer angepassten Reiseroute fortsetzen wollten.

Der Schiffsverkehr auf dem Main-Donau-Kanal bei Erlangen wurde für unbestimmte Zeit eingestellt. Wann das Schiff geborgen wird, war ebenfalls noch unklar. "Dadurch, dass das komplette Führerhaus zerstört ist, muss man das Schiff abschleppen, und dafür braucht man Spezialschiffe", erläuterte der Polizeisprecher. Die betroffene Eisenbahnbrücke, auf der nur gelegentlich unter der Woche Güterzüge fahren, wurde nach Angaben der Stadt nach einer Prüfung wieder freigegeben.

In der Nähe der slowakischen Hauptstadt Bratislava kam es am Sonntag zu einem weiteren Unfall mit einem Ausflugsschiff, das mit rund 150 Menschen an Bord gegen einen Uferdamm stieß. Bereits im Juni waren zwei Passagierschiffe in Bayern havariert. Nahe Bad Abbach stieß ein Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei starker Strömung gegen einen Brückenpfeiler, in der Nähe des ebenfalls in Niederbayern gelegenen Riedenburg krachte ein Kabinenschiff auf dem Main-Donau-Kanal gegen ein Baugerüst. (APA, 11.9.2016)

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