Prächtiger Schnitt mit dem Palais Hypo

12. September 2016, 09:00
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Der Erwerber der Hypo-Büros im Wiener Palais Equitable hat sich mit viel pekuniärem Erfolg längst wieder von einem Teil der Liegenschaften getrennt

Wien – Die Abwicklung der Heta (ehedem Hypo Alpe Adria) läuft laut Insidern besser als erwartet – trotzdem gibt es noch mehr als genug Auswahl für Interessenten, die auf Heta-Vermögen spitzen. Auf ihrer Internetplattform allein werden derzeit zum Beispiel 1142 Immobilien feilgeboten, vom Fabriksgebäude über Inselgrund bis zur Wohnung. Am Ende des Tages will der Staat 6,5 Milliarden Euro aus der Heta-Abwicklung erlösen.

Mitunter haben Käufer besonderes Glück mit ihrem Investment – wie das Beispiel des oberösterreichischen Sojahändlers Andreas Pilstl zeigt. Die Pilstl Holding hat im September 2010 die Perle der Hypo gekauft: ihre Wiener Zentrale im Palais Equitable am Stock-im-Eisen-Platz, gleich gegenüber dem Stephansdom.

Die Pilstl Holding erwarb die in Mezzanin und erstem Stock gelegenen knapp 762 Quadratmeter um 8.080.808 Euro. Im März 2012 trennte sie sich von einem Großteil wieder. Sie verkaufte rund 431 Quadratmeter im Mezzanin weiter – um 7.777.777 Euro. Käufer: die Jeje-Privatstiftung, die im Herbst 2011 von dem ukrainischen Lebensmittelhändler Jewgeni Jermakow in Wien errichtet worden war. Ein guter Schnitt: Den Weiterverkaufserlös eingerechnet, haben die Oberösterreicher gerade einmal rund 303.031 Euro für ihre 330 Quadratmeter Palais-Immobilie aufgewendet.

Ein Schelm, der Böses da- bei denkt. Gerüchte, der Deal rund um eines der prächtigsten Wiener Innenstadtpalais (Ende des 19. Jahrhunderts ließ es der US-Lebensversicherer Equitable errichten) sei schon vor dem Einstieg der Oberösterreicher im Raum gestanden, stimmen nicht.

Viele Interessenten

Der Verkauf durch die Hypo erfolgte 2010 auf Basis einer öffentlichen Ausschreibung, auf die sich 45 Interessenten gemeldet hatten, erklärt ein Heta-Sprecher. Zwei Schätzgutachten habe es gegeben, die den Wert der Immobilie bei 7,3 bzw. 6,7 Mio. Euro angesetzt hätten. Die vier besten Bieter hätten ihre Angebote aufgebessert, der Zuschlag sei erst nach einer dritten Runde erfolgt. Es sei letztlich "über dem damaligen Marktpreis verkauft" worden.

Pilstl sieht es auch so. Er erzählt, er habe sein Angebot damals um eine Million Euro aufgebessert. Eigentlich habe er überflüssige Flächen vermieten wollen, dann habe sich aber der Weiterverkauf an die Jeje-Stiftung "ergeben". Und die doch recht erkleckliche Wertsteigerung? Die sei marktgemäß, so Pilstl sinngemäß.

Dass der Jeje-Stiftungsvorstandschef, der Wiener Wirtschaftstreuhänder Stefan Malaschofsky, auch in der Privatstiftung Annagasse von Investmentbanker Heinrich Pecina im Vorstand sitzt, das wiederum ist: Zufall. Pecina hat jahrzehntelang Geschäfte mit der Hypo gemacht; eine Strafrechtscausa ist gerade anhängig (es gilt die Unschuldsvermutung). Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, klärt Malaschofsky auf, er sei ja "in vielen Stiftungsvorständen" aktiv.

Der ukrainische Geschäftsmann war nicht zu erreichen. Dass er die Equitable-Büros nicht gleich von der Hypo (und somit um fast die Hälfte billiger) gekauft hat, "dürfte ihn ärgern". Sagt einer seiner Vertrauten. (Renate Graber, 12.9.2016)

  • Eines der prächtigsten Wiener Palais: das Equitable. Die Hypo verkaufte 2010 ihre dortige Zentrale um acht Millionen. Der Erwerber vergoldete seinen Deal 17 Monate später.
    foto: picturedesk

    Eines der prächtigsten Wiener Palais: das Equitable. Die Hypo verkaufte 2010 ihre dortige Zentrale um acht Millionen. Der Erwerber vergoldete seinen Deal 17 Monate später.

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