Hofer will Fastenbrechen für Muslime in Hofburg streichen

11. September 2016, 11:11
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Freiheitlicher würde gerne Dialog mit Israelitischer Kultusgemeinde verbessern – Für Abriss von Hitlers Geburtshaus

Wien – Der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer würde als Bundespräsident das von Heinz Fischer eingeführte Fastenbrechen für Muslime in der Hofburg streichen. Den Dialog mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) mit seiner Partei würde der FPÖ-Politiker gerne verbessern, sagte er im APA-Interview. Hofer spricht sich zudem für einen Abriss des Geburtshauses von Adolf Hitler in Braunau aus.

Alt-Bundespräsident Fischer hatte das Iftar-Mahl, also das traditionelle Fastenbrechen der Muslime während des Ramadan, in der Hofburg eingeführt. Hofer sieht keinen Bedarf nach einer Fortführung: "Das werde ich in der Hofburg nicht veranstalten." Enge Kontakte mit den in Österreich anerkannten Glaubensgemeinschaften würde er aber weiterhin pflegen – auch mit dem Islam. Grundsätzlich betont Hofer: "Ich bin ein großer Freund der Trennung von Kirche und Staat, aber es ist auch wichtig, dass Kirche und Staat zusammenarbeiten."

Strategie für Vertrauen

"Das wichtigste Thema ist für mich, eine Strategie zu entwickeln, um mehr Vertrauen zu gewinnen", meint Hofer zum Umgang mit den Muslimen. "Die Ereignisse in der Welt, die Terrorakte des IS, haben das Vertrauen der Menschen und auch vieler Staaten erschüttert und sind auch destabilisierend. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass die große Mehrheit der Muslime dafür nicht verantwortlich ist und dass es eine radikale Gruppe ist", meint der Präsidentschaftskandidat.

"Wichtig" ist Hofer, "dass man einen Koran hat, der für die muslimische Glaubensgemeinschaft hier allgemein Gültigkeit hat und auch übersetzt ist. Damit man auch diese Glaubensgemeinschaft besser verstehen kann, wenn man nicht Moslem ist". Zudem müsse man darauf achten, "dass nicht schwarze Schafe, und so etwas gibt es, Moscheen nutzen um zu radikalisieren". Dies könne ein Beitrag zu "Frieden, Freiheit und Sicherheit in Österreich" sein, glaubt der Freiheitliche.

Verbessern will Hofer das Verhältnis seiner Partei mit der Israelitischen Kultusgemeinde, die freiheitlichen Funktionären immer wieder Nähe zu rechtsextremem Gedankengut vorwirft. "Natürlich" würde er im Falle seiner Wahl auf deren Vertreter zugehen, betonte er. Für einen guten Kontakt Sorge zu tragen sei auch Aufgabe des Bundespräsidenten. Hofer: "Probleme sind da, um gelöst zu werden. Und ich glaube, dass es gelingen kann, diesen Kontakt sehr, sehr gut zu führen. Das ist eine Aufgabe, die mich sehr interessiert und die mir sehr wichtig ist."

Hofer weist Nazi-Vergleiche zurück

Nazi-Vergleiche, mit denen Hofer im Wahlkampf von linker Seite konfrontiert ist, weist der Präsidentschaftskandidat empört zurück. "Das ist das Schlimmste, was man einem Menschen vorwerfen kann, dass er Nationalsozialist ist", findet er und: "Ich glaube, man muss auch damit aufhören, damit Politik zu machen." Dennoch müsse man immer darauf schauen, "welche Dinge unsere Vorfahren getan haben", obwohl es keine "Kollektivschuld" gebe. Leichtfertig "Menschen, die heute Politik machen", mit Mörderbanden gleichsetzen, dürfe man jedoch nicht.

Das ehemalige Konzentrationslager in Mauthausen hat Hofer nach eigenem Bekunden besucht, wenn auch nicht anlässlich der jährlichen Befreiungsfeier. Aber auch die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem habe er besucht: "Was mich so bewegt hat war, dass man auch dort versucht hat zu zeigen, dass jene Menschen, die für den Tod von Millionen verantwortlich waren, oftmals gleichzeitig liebevolle Familienväter waren. Das war wirklich beklemmend." Man sehe dort, "wozu die menschliche Seele eigentlich fähig ist, zu welcher Grausamkeit ohne jegliches Unrechtsbewusstsein".

Im Fall des durch die Republik enteigneten Hitler-Geburtshauses in Braunau meint Hofer: "Naja, man kann eh nur eine Gedenkstätte machen. Oder man kann abreißen. Wenn Sie mich fragen, ich wäre eher fürs Abreißen." (APA, 11.9.2016)

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