Djokovic und Wawrinka im Finale der US Open

10. September 2016, 11:11
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"Djoker" im Head to Head mit 19:4 klar voran – "Stan the Man" aber mit zehn Finalsiegen en suite

New York – Novak Djokovic und Stan Wawrinka bestreiten am Sonntag (22.00 Uhr MESZ) das Endspiel der US Tennis Open. Der Weltranglisten-Erste Djokovic gewann am Freitag gegen den Franzosen Gael Monfils 6:3,6:2,3:6,6:2 und erreichte zum siebenten Mal das Finale in New York. Der Serbe strebt in seinem insgesamt 21. Grand-Slam-Finale nun seinen 13. Major-Titel und den dritten US-Open-Sieg nach 2011 und 2015 an.

Wawrinka, der das zweite Halbfinale gegen den Japaner Kei Nishikori ebenfalls in vier Sätzen mit 4:6,7:5,6:4,6:2 für sich entschied, steht dagegen erstmals im Endspiel in Flushing Meadows. Im direkten Vergleich mit Djokovic liegt der 31-jährige Schweizer 4:19 zurück. Allerdings bezwang er den 29-Jährigen zuletzt bei den Australian Open 2014 im Viertelfinale auf dem Weg zu seinem ersten Grand-Slam-Turniersieg und im Vorjahr im Endspiel der French Open.

Nach den Siegen bei den Australian Open und den French Open peilt Djokovic bereits seinen dritten großen Titel in diesem Jahr an und will die Enttäuschungen von Wimbledon (Drittrunden-Aus) und Olympia (Auftakt-Out) vergessen machen. "Immer, wenn ich zu einem Grand Slam komme, ist mein Ziel das Finale", betonte Djokovic. "Ich möchte mich immer in die Position bringen, um die Trophäe kämpfen zu können."

Match gedreht

Für Wawrinka war 2013 und im Vorjahr im Halbfinale der US Open Endstation gewesen. Und auch am Freitag sah es zunächst nach einer weiteren Niederlage von "Stan the Man" aus. Nishikori hatte nach seinem Fünfsatz-Viertelfinalsieg gegen Olympiasieger Andy Murray aus Schottland zu Beginn die Partie gegen Wawrinka dominiert. Erst, als er bereits 4:6 und 0:2 im Hintertreffen lag, fand der Mann aus Lausanne langsam eine Lösung gegen den pfeilschnellen und beweglichen Japaner.

Der Schweizer agierte ab diesem Zeitpunkt deutlich aggressiver, stand etwas näher an der Grundlinie und konnte den Weltranglisten-Siebenten so stärker unter Druck setzen. Zudem nutzte Wawrinka seine Breakchancen (7 von 13) konsequenter als der 26-jährige Asiate, der lediglich vier seiner 15 Breakbälle verwertete. Dazu kam noch, dass Nishikori mit zunehmender Dauer sichtlich müde wurde und sich dem Weltranglisten-Dritten deshalb nach 3:08 Stunden geschlagen geben musste.

"Stan ist ein Mann für die großen Matches. Er liebt es, auf den großen Bühnen gegen die Großen zu spielen. Ich habe das Gefühl, dass er sich dann noch steigert", warnte Djokovic vor seinem Finalgegner. Die Statistik bestätigt diese Einschätzung. Seit Juni 2013 und einer Niederlage in 's-Hertogenbosch gegen Nicolas Mahut hat Wawrinka alle zehn Endspiele gewonnen, die er bestritt. Dazu gehören auch seine ersten beiden Grand-Slam-Turniersiege in Melbourne und Paris. Wawrinka hat eine logische Erklärung für seine Stärke, wenn es wirklich zählt: "Gegen Ende eines Turniers habe ich viele Spiele gewonnen und habe viel Selbstvertrauen. Deshalb spiele ich in diesen großen Matches mein bestes Tennis."

Eine Frage der Kraftreserven?

Das will er nun auch gegen Djokovic auspacken. Dem Serben machte zwar zuletzt sein Handgelenk zu schaffen, doch so schnell wie heuer in New York zog der Schützling von Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker noch nie in ein Grand-Slam-Finale ein. Für die sechs Siege benötigte er gerade einmal 8:58 Stunden, Wawrinka stand dagegen in seinen bisherigen sechs Match in New York doppelt so lange auf dem Platz. Dreimal profitierte der "Djoker" von Verletzungen seiner Gegner und im Halbfinale davon, dass Monfils in seinem erst zweiten Grand-Slam-Halbfinale überfordert war.

Trotzdem musste Djokovic bei extrem schwülen Bedingungen leiden, nachdem die ersten beiden Sätze noch eine überraschend klare Sache für ihn gewesen waren. Als er auch im dritten Durchgang gleich 2:0 in Führung ging, schien er zu einem weiteren lockeren Sieg zu spazieren. Monfils, der das Halbfinale ohne Satzverlust erreicht hatte, leistete aber auf einmal doch noch Widerstand. Der Franzose gewann praktisch aus heiterem Himmel fünf Games in Folge und später den Satz.

Monfils nervte Djokovic im dritten Satz derart, dass dieser vor Wut im Stile des "Unglaublichen Hulk" sein weißes Tennis-Leiberl zerfetzte. "Mal siehst du einen zerbrochenen Schläger, mal ein zerrissenes Shirt. So etwas passiert in der Hitze des Gefechts", beschwichtigte der Titelverteidiger nach der wohl bizarrsten Halbfinal-Partie der jüngeren Major-Geschichte, in der beide Spieler mit ihren Kräften am Ende schienen.

Djokovic ließ sich zunächst an der linken Schulter behandeln, im vierten dann auch noch an der rechten. Und Monfils hinkte zwischen den Ballwechseln, beugte sich ständig nach vorne und fasste sich immer wieder ans Knie. So konnte keiner konstant gut spielen und sich entscheidend absetzen. Am Ende hatte Djokovic aber den größeren Siegeswillen und rettete sich nach einem Break zum 4:2 im vierten Satz über die Ziellinie. Über seinen Form- und Fitnessstand herrscht deshalb absolute Ungewissheit. (APA, 10.9.2016)

  • Dass Stan Wawrinka ein Mann für die großen Momente ist, darf er im Finale der US-Open gegen den Djoker beweisen.
    foto: apa/afp/timothy a. clary

    Dass Stan Wawrinka ein Mann für die großen Momente ist, darf er im Finale der US-Open gegen den Djoker beweisen.

  • Djokovic ist auch wieder dabei.
    foto: apa/afp/jewel samad

    Djokovic ist auch wieder dabei.

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