25 Tote und 70 Verletzte durch Explosion in Fabrik in Bangladesch

11. September 2016, 11:58
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Im Erdgeschoß gelagerte Chemikalien sollen Brand beschleunigt haben

Dhaka – In einer Fabrik in Bangladesch hat sich erneut eine verheerende Brandkatastrophe ereignet: Durch das Feuer in einer Verpackungsfirma in Tongi wurden mindestens 25 Menschen getötet und 70 weitere verletzt, wie ein Krankenhausarzt mitteilte. Der Brand war offenbar durch die Explosion eines Boilers ausgelöst worden und hatte sich womöglich wegen Chemikalien in der Fabrik schnell ausgebreitet.

Das Werk hatte auch international Unternehmen beliefert. Die Zahl der Toten sei auf 25 gestiegen, sagte Parvez Mia, ein Arzt im staatlichen Krankenhaus der nördlich von Dhaka gelegenen Industriestadt Tongi. Die am schwersten Verletzten seien in Krankenhäuser in der Hauptstadt Dhaka gebracht worden. Einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatten rund hundert Menschen in dem vierstöckigen Fabrikgebäude gearbeitet.

Weitere Opfer befürchtet

Die Polizei befürchtete einen weiteren Anstieg der Opferzahl. "Wir haben den Brand noch nicht unter Kontrolle und fürchten, dass einige Arbeiter noch in der Fabrik eingeschlossen sind", sagte der hochrangige Polizeibeamte Aminul Islam.

Der Brand brach demnach in einem Boiler der Fabrik Tampaco Foils Limited aus. Der Polizei lägen Informationen vor, wonach im Erdgeschoß der Fabrik Chemikalien gelagert worden seien. Daher habe sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet.

"Ich habe im Büro gearbeitet, als ich eine Explosion hörte und ein Beben spürte", sagte der 35-jährige Elektriker Mohammad Rokon, der mit leichten Verletzungen zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht wurde. "Ich bin fast bewusstlos geworden. Aber ich habe mich gezwungen, mithilfe der Taschenlampe meines Handys rauszugehen."

Der Maschinenführer Rubel Hossain überlebte das Unglück ebenfalls und half bei der Versorgung der Verletzten. "Ich fühle mich zugleich glücklich und untröstlich", sagte er. Das Unglück traf das muslimisch geprägte Bangladesch kurz vor dem islamischen Opferfest Eid al-Adha.

Untersuchung angekündigt

Die zuständige Aufsichtsbehörde kündigte an, ein Untersuchungsausschuss werde die Brandursache untersuchen und der Frage nachgehen, ob die Brandschutzbestimmungen in der Fabrik eingehalten wurden. Der Ausschuss soll außerdem mögliche Verbesserungen bei den Sicherheitsvorkehrungen von Fabriken vorschlagen.

In der Fabrik waren Plastikverpackungen hergestellt worden. Neben einheimischen Firmen belieferte Tampoco Foils auch ausländische Unternehmen wie die örtlichen Niederlassungen des Nahrungsmittelriesen Nestle und des Zigarettenproduzenten British-American Tobacco.

Nestle zeigte sich schockiert

Der Lebensmittelkonzern Nestle hat mit Bestürzung auf den Einsturz einer Verpackungsfabrik in Bangladesch reagiert. Das Unternehmen habe von der betroffenen Firma Produkte bezogen, teilte Nestlé am Sonntag mit. Man sei "schockiert und traurig" angesichts der Toten und Verletzten bei dem Brand, und man sei in Gedanken bei den Betroffenen des Unglücks.

Immer wieder gibt es in Fabriken des bitterarmen südasiatischen Landes schwere Unfälle. Erst im August hatten sich durch die Explosion eines Ammoniak-Tanks in einer Düngemittelfabrik in Bangladesch giftige Gase in weiten Teilen der Großstadt Chittagong ausgebreitet. Mehr als 200 Menschen mussten ärztlich behandelt werden, hunderte wurden in Sicherheit gebracht.

Im April 2013 war der Fabrikkomplex Rana Plaza in einem Vorort von Dhaka eingestürzt. 1.138 Menschen starben. Im November 2012 waren bei einem Brand in einer Textilfabrik in Dhakas Vorort Ashulia 111 Menschen ums Leben gekommen.

Nach dem Unglück im Rana Plaza hatten westliche Firmen ihre Sicherheitsauflagen für die Zulieferer in Bangladesch verschärft. Zahlreiche Fabriken, die aber nur den einheimischen Markt beliefern, unternehmen hingegen wenig für den Schutz ihrer Arbeiter. (APA, 10.9.2016)

In Bangladesch sind schon mehrfach Fabrikgebäude in Flammen aufgegangen oder eingestürzt. Häufige Ursachen waren unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und Baumängel. Nach dem Unglück mit mehr als 1.100 Toten im Jahr 2013 wurde ein Aktionsplan für mehr Brandschutz und Gebäudesicherheit ins Leben gerufen.

Juni 2015 – Eine Textilfabrik außerhalb der Hauptstadt Dhaka brennt völlig aus und stürzt in sich zusammen. Verletzt wird niemand. Das sechsstöckige Gebäude war erst ein Jahr zuvor von Inspektoren des Aktionsplans in Augenschein genommen worden.

Jänner 2015 – Beim Brand in einer Recyclingfabrik für Kunststoffe in Dhaka kommen mindestens 13 Arbeiter ums Leben. Das Feuer war im Erdgeschoß des sechsstöckigen Gebäudes ausgebrochen. Die Flammen kamen nach Angaben der Polizei mit gelagerten Chemikalien in Kontakt und breiteten sich schnell aus.

Oktober 2013 – Eine Textilfabrik in einem Industriebezirk nördlich von Dhaka gerät in Brand, mindestens neun Menschen sterben.

April 2013 – Das Rana-Plaza-Gebäude in einem Vorort von Dhaka stürzt ein. Mehr als 1.100 Menschen sterben, mehr als 2.500 werden verletzt. Die meisten Opfer sind Frauen, die dort als Textilarbeiterinnen arbeiteten. Fahrlässigkeit und Baumängel sollen die Ursache der schlimmsten Fabrikkatastrophe in der Geschichte Bangladeschs gewesen sein.

Jänner 2013 – Sieben Menschen fallen einem Brand in einer Textilfabrik in Dhaka zum Opfer.

November 2012 – Bei einem Feuer in der "Tazreen Fashion" Textilfabrik nahe Dhaka kommen 112 Menschen ums Leben. Die Ausgänge der Fabrik sollen abgesperrt gewesen sein. (APA)

  • Rauch über der Verpackungsfirma.
    foto: afp/rehman asad

    Rauch über der Verpackungsfirma.

  • Die Feuerwehr kämpft gegen die Flammen an.
    foto: afp/rajib dhar

    Die Feuerwehr kämpft gegen die Flammen an.

  • Auf der Suche nach Überlebenden.
    foto: afp

    Auf der Suche nach Überlebenden.

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