Ägyptens Polizei überprüfte italienischen Doktoranden vor Ermordung

10. September 2016, 09:20
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Kairo bestätigt erstmals Ermittlungen zu Wissenschaftler

Kairo/Rom – Die ägyptische Polizei hat den italienischen Doktoranden Giulio Regeni vor seiner grausamen Folter und Ermordung überprüft. Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Kairo am Freitag mit. Es ist die erste Bestätigung aus Ägypten, dass sich die Sicherheitsdienste für den jungen Wissenschaftler interessierten, bevor er am 25. Jänner verschwand.

Der 28-Jährige war neun Tage später am Rand einer Autobahn mit schweren Folterspuren aufgefunden worden. Laut der Staatsanwaltschaft ergab die Überprüfung Regenis Anfang Jänner keine Anhaltspunkte, dass er von Interesse für die nationale Sicherheit sei. Die Beobachtung des Doktoranden der Universität Cambridge, der in Kairo über das sensible Thema der Gewerkschaften forschte, sei daher eingestellt worden. Die italienische Regierung sowie die Medien in Italien verdächtigen die ägyptischen Sicherheitsdienste seit langem, hinter dem grausamen Mord zu stecken.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Freitag auch mit, dass es nur "schwache Hinweise" auf eine Verwicklung einer auf die Entführung von Ausländern spezialisierte Bande gebe, die Ende März zerschlagen worden war. Rom hatte diese Theorie ohnehin für unglaubwürdig gehalten. Der Fall belastet das Verhältnis der beiden Länder, die sonst enge Beziehungen unterhalten. Im April hatte Rom seinen Botschafter abgezogen, um gegen die schleppenden Ermittlungen zu protestieren. (APA, 10.9.2016)

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