Steirische Schulreform: Parteipolitik ausgetrickst

Kommentar9. September 2016, 17:25
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Der steirische Landesschulrat hat die Türe zur Schulautonomie weit aufgemacht

Es geht ja. Man muss nur die Parteipolitik draußen lassen. Genau das ist dem steirischen Landesschulrat ganz offensichtlich gelungen. Dieser hat vor zwei Jahren ohne großes Aufheben ein – Schüler würden sagen: "ziemlich cooles" – Pilotprojekt gestartet und durchgezogen. Und damit die Tür zur Schulautonomie weit aufgemacht. Direktoren und Direktorinnen der höheren Schulen können sich seit 2014 über eine Online-Plattform des Landesschulrats die Lehrer, die in ihr Schulprofil passen, selbst aussuchen. Diese Internet-"Jobbörse" für Lehrer läuft ohne Klagen. Selbst die gefürchtete Lehrergewerkschaft hat die Sache abgenickt. Jetzt soll das Projekt auch auf den Pflichtschulbereich ausgeweitet und nach Wien und in die anderen Bundesländer exportiert werden.

Der nicht unerhebliche Kollateralnutzen des steirischen Modells: Parteipolitische Besetzungen werden enorm erschwert, weil sich die Direktoren nur noch die besten Lehrkräfte holen. Schlechte Zeiten für Parteigünstlinge.

Während im Bund die Schulreform wieder und wieder durchgeknetet wird, hat ein Bundesland endlich einmal etwas politisch Ungewöhnliches gemacht – nämlich gehandelt. Wie man sieht, geht ja was weiter, wenn es eben gelingt, die Parteipolitik herauszuhalten. Nicht auszudenken, wenn das Schule macht und auch in anderen Institutionen – sagen wir mal: zum Beispiel im ORF – solche Reformnester sich auszubreiten beginnen. (Walter Müller, 9.9.2016)

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