Vor Streik: Kein Gesprächsgipfel mit Wiener KAV-Ärzten

9. September 2016, 18:10
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Ärztevertreter schlugen Wehsely-Einladung aus – Vor Streik am Montag: Ärztekammer erwartet "Unannehmlichkeiten" für Patienten

Wien – Der von Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) angekündigte Gesprächsgipfel zwischen der Generaldirektion des Krankenanstaltenverbundes (KAV), Personalvertretern der KAV-Ärzte sowie Primaren hat am Freitag nicht stattgefunden. Personalvertreter schlugen die Einladung, die explizit nicht an Kammer-Vertreter außerhalb des KAV ging, aus. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren", sagte Wolfgang Weismüller, Personalvertreter im KAV. Wehsely hatte zuvor gesagt, dass "innerbetriebliche Probleme innerbetrieblich gelöst werden" müssen. Die kurzfristig angeordneten Gespräche im KAV bezeichnete Weismüller als "Panikreaktion der Stadt Wien".

OPs "neu terminisiert"

Während Wehsely die Gesprächsverweigerung der Ärzte vor dem Warnstreik am Montag kritisierte, veröffentlichte die Ärztekammer Details zur Arbeitsniederlegung. Demnach würden am Montag alle verschiebbaren OPs und Ambulanztermine "neu terminisiert". Patienten, die unsicher sind, sollen Kontakt mit Spitälern und Ambulanzen aufnehmen. Akutfälle werden "in jedem Fall behandelt", sagte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres.

"Unannehmlichkeiten" für Patienten

Der Montag werde für Patienten aber "Unannehmlichkeiten bringen". Der Ärztefunkdienst der Ärztekammer werde am Montag von 7 bis 14 Uhr im Einsatz sein. Eine Lösung im heftigen Streit zwischen Ärztekammer und KAV um das neue flexible Dienstzeitmodell ist nicht in Sicht.

Kritische Ärzte erkennen zwar das Problem des KAV an, dass "die heutige Medizin mit ihren Möglichkeiten für den KAV nicht mehr finanzierbar ist". Sie kreiden aber "Verschleppung" bei Änderungen im Arbeitszeitgesetz an. "Der KAV hätte spätestens 2010 eine Einschleifregelung schaffen und Gespräche führen müssen", sagt ein Spitalsarzt.

Ärztefrust nimmt zu

Die Reduktion der Nachtdienste würde umgesetzt, der zur Entlastung vorgesehene Ausbau der Notfallambulanzen sei aber noch nicht Realität. Auch viele Posten für Stationssekretärinnen seien noch unbesetzt. "Die Reform fällt in sich zusammen."

Auch bei den Grünen Ärztinnen, die im Vorjahr den Pakt zwischen Stadt und Ärztekammer noch unterstützt haben, ist Ernüchterung eingetreten, sagt Fraktionsführer Michael Lazansky. Der Streik werde unterstützt, weil der vom KAV versprochene Ausbau der Erstversorgung nicht funktioniere und weil Diensträder per September großflächig zwangsweise umgestellt wurden. "Den Frust der Ärzte können wir nicht ignorieren". (gra, krud, mte, 9.9.2016)

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