"Monsieur Claude und seine Töchter": Alles löst sich in Idylle auf

9. September 2016, 16:22
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Der Applaus für die Multikulti-Komödie in den Kammerspielen ist handwerklich verdient. Inhaltlich schwingt wie im Film Scheinheiligkeit mit

Wien – Dim-Sum mit gegartem Hund? Chao Ling hat aufgekocht! Zum großen Missvergnügen von Schwiegervater Claude Verneuil (Siegfried Walther), dem als französischen Patrioten und gelernten Gaullisten die Sitten und Gebräuche seiner drei Schwiegersöhne gewaltig gegen den Strich gehen.

Einen sephardischen Juden, einen algerischstämmigen Muslim und einen Asiaten haben ihm seine drei Töchter ins gutbürgerliche Haus gebracht. Jetzt konzentrieren sich die Hoffnungen auf einen katholischen, "urfranzösischen" Schwiegersohn ganz auf die jüngste Tochter Laura, die alsbald mit einem Schwarzafrikaner von der Elfenbeinküste aufwarten wird.

Dass Chao Ling freilich keinen Hund verkocht hat, ist einer der ersten, die oberflächlichen Stereotype entlarvenden Scherze der Komödie Monsieur Claude und seine Töchter, die am Donnerstag die Spielzeit in den Kammerspielen der Josefstadt vor applausfreudigem Publikum eröffnet hat.

josefstadttheater

Monsieur Claude ist die Adaption der gleichnamigen französischen Filmkomödie von Philippe de Chauveron und Guy Laurent aus 2014, die das Bedürfnis von über zehn Millionen Zuschauern nach Wohlfühlmultikulti erfüllte. Von dieser Heiterkeitsdiversität und all ihren Missverständnissen lebt auch die Inszenierung Folke Brabants. Die Bühnenfassung von Stefan Zimmermann folgt allerdings noch mehr als der Film der Pointendramaturgie, sodass vor wechselnd projizierter Rückwand (Glaubenssymbole, Landschaften) ein Sketch nach dem anderen abgeht.

Dass hier ausschließlich Upperclass-Probleme verhandelt werden (Banker, Rechtsanwalt, Geschäftsmann) und nicht die Banlieue-Abgründe, steigert den Gemütlichkeitsfaktor und den Zustimmungsgrad des Publikums. Man applaudiert also auch seiner eigenen Weltoffenheit, die hier keiner gravierenden Prüfung unterzogen wird.

Bei Monsieur Claude kann man aber Lockerheit im Umgang mit Neuem trainieren und sich an famoser Schauspielkunst erfreuen: insbesondere Markus Kofler in wechselnden Rollen. (Margarete Affenzeller, 10.9.2016)

  • Die kulturelle Differenz schien anfangs zu groß. Dann aber hat Claude (Siegfried Walther, li.) und André (Félix Kama) das Anglerglück vereint.
    herwig prammer

    Die kulturelle Differenz schien anfangs zu groß. Dann aber hat Claude (Siegfried Walther, li.) und André (Félix Kama) das Anglerglück vereint.

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