Viele Sargnägel für die Bestatter

11. September 2016, 09:00
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Am Bestatterwesen zeigt sich, wie schwierig es ist, eine Modernisierung der Gewerbeordnung durchzuführen

Wien – In der Debatte um eine schlanke Gewerbeordnung wird immer wieder das Beispiel der Bestatter angeführt. Diese Branche ist einer der Kandidaten bei einer Gewerbemodernisierung.

Doch geht es in diesem Fall nicht darum, die Bestatter zu einem "freien Gewerbe" zu machen – das wäre viel zu progressiv für Österreich. Es geht vielmehr darum, dieses reglementierte Gewerbe mit nur einer bundesweiten gesetzlichen Basis zu unterlegen.

"Es muss doch möglich sein, dass es im kleinen Österreich bei solchen Branchen nur eine Regelung gibt", sagt der grüne Abgeordnete Matthias Köchl, der schon des Längeren "Absurditäten der Gewerbeordnung", wie er es nennt, zusammenträgt.

Neun plus eins

Köchl, der nicht einsieht, dass es in solchen Kleingewerben österreichweit unterschiedliche Regelungen gibt, äußert den Verdacht, dass dies nur mehr die Daseinsberechtigung für die neun Landes- plus eine Bundeswirtschaftkammer darstellt. Die Grundumlage, die die Unternehmen zahlen müssen, variiert je nach Bundesland. Ein Bestattungsunternehmen mit 450 Beerdigungen im Jahr bezahlt in Kärnten 240 Euro Grundumlage an die Kammer, im Burgenland hingegen 2025 Euro – bei gleicher Betriebsgröße.

Wenn beispielsweise ein Wiener Unternehmen einen niederösterreichischen Auftrag an Land zieht, ist es möglich, dass dieser auch ausgeführt wird, erläutert Florian Keusch von der Bestattung Wien. Allerdings muss das Wiener Unternehmen die niederösterreichischen Vorgaben einhalten.

Dies ist ja noch logisch. Aber bei Spezialwünschen wie einer Fluss- oder Baumbestattung (bei dieser liegt die Grabstelle im Wald), müssen sich die Bestatter, die den landesspezifischen Fesseln unterliegen, Partner suchen.

Gleichzeitig aber werden solche Bestattungen immer mehr nachgefragt. So ist die sogenannte Flussbestattung (dabei wird die Asche in einen Fluss, in die Donau, gestreut) in Wien nicht erlaubt, in Oberösterreich, und zwar in Linz, aber schon. Die Bestattung Wien arbeitet in solchen Fällen mit einem Partnerunternehmen zusammen, was natürlich die Kosten erhöht.

Schweizer Bestattung

Da solche Schwierigkeiten mit der bundesländerweisen Auffächerung den trauernden Hinterbliebenen manchmal zu viel sind, hat sich ein Schweizer Unternehmen darauf spezialisiert, Österreicher in der Schweiz der letzten Ruhe zuzuführen. Dort sind die Bestattungsmöglichkeiten vielfältiger, die Regeln liberaler und deshalb auch vergleichsweise kostengünstig. Eine Flussbestattung in der Schweiz, mit vorheriger ordnungsgemäßer Kremierung in Österreich, kostet rund 4000 Euro, erläutert Thomas Stein von der Österreich Naturbestattung. Diese arbeitet mit der Schweizer Naturbestattung eng zusammen.

Stein sieht vor allem monetäre Gründe dafür, weshalb in Österreich mit modernen Formen einer "schenen Leich" gar so umständlich umgegangen wird. "Bei einer Naturbestattung spart man sich nicht nur die Grabpflege", sagt er. "Die Kommunen fallen um die Friedhofsgebühren um." Schon jetzt gebe es immer mehr Gräber, die Gemeinden "anheimfallen".

In Österreich buhlen rund 550 Bestattungsunternehmen um den Markt, wobei viele nur 150 Bestattungen im Jahr durchführen dürften, was in der Branche als zu wenig angesehen wird. Das Gewerbe ist reglementiert, das heißt, man benötigt einen Befähigungsnachweis. An dieser Regelung stoßen sich selbst Kritiker der Gewerbeordnung nicht, da das Geschäft delikat ist und mit Gefahren verbunden sein kann. In der Kammer ist die Berufsgruppe Teil der Bundesinnung der Rauchfangkehrer und Bestatter. (Johanna Ruzicka, 11.9.2016)

  • Six feet under: Was im Burgenland erlaubt ist, muss in Wien nicht möglich sein. Das kleine Land Österreich hat neun unterschiedliche Bestimmungen, was Bestattungen betrifft.
    foto: dpa / fredrik von ericksen

    Six feet under: Was im Burgenland erlaubt ist, muss in Wien nicht möglich sein. Das kleine Land Österreich hat neun unterschiedliche Bestimmungen, was Bestattungen betrifft.

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