Spitalsärzte: Keine Gespräche mehr vor Wiener Warnstreik am Montag

9. September 2016, 15:45
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Wehsely hält Einladung aufrecht, rechnet aber nicht mit Teilnahme der Kammer – Pflegekräfte beklagen: Arbeiten "zunehmend am Limit"

Wien – Das Kriegsbeil zwischen Ärztekammer und Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) bzw. Stadt wird vor dem Warnstreik der KAV-Ärzte am Montag wohl nicht mehr begraben. Ein von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) gestern angeregtes Treffen am Freitag hat nicht stattgefunden, teilte die Ressortchefin der APA mit. "Es soll offenbar alles der Eskalation dienen", so ihre Vermutung.

Wehsely bzw. der KAV hatten für Freitag noch einmal Ärztevertreter in den eigenen Häusern – darunter auch Kammerfunktionäre – zu einem Gesprächstermin eingeladen. Dieser war für 14.00 Uhr angesetzt und sollte dazu dienen, "alle Kritikpunkte, insbesondere das Betriebsklima, Überstundenleistungen und das hartnäckige Gerücht rund um einen 'Schichtdienst' umfassend zu besprechen und einer innerbetrieblichen Lösung zuzuführen", hatte es am Vormittag in einer Aussendung geheißen.

Wehsely stehe weiterhin zur Verfügung

Wehsely sagte, dass ihre Hand auch am Wochenende ausgestreckt bleibe und der KAV "Tag und Nacht" zur Verfügung stehe, um die Bedenken zu besprechen. Gleichzeitig räumte sie ein, dass die Einladung seitens der Kammer wohl weiterhin nicht angenommen werde. "Nach dem Streik wird man wohl weiter an der Eskalation drehen und unerfüllbare Bedingungen für weitere Gespräche stellen", prognostizierte die Stadträtin. Das sei "verantwortungslos" und rufe bei ihr "ehrliche Empörung" hervor, denn immerhin gehe es um 80 Prozent der Spitalsversorgung in Wien.

Seitens der Ärztekammer versicherte man heute erneut, dass durch den Warnstreik am Montag keine Gefahr für Patienten bestehe. Akutfälle würden in jedem Fall behandelt. "Entfallen werden hingegen geplante operative Eingriffe oder vereinbarte ambulante Untersuchungen und Kontrollen, die nicht unmittelbar durchgeführt werden müssen", bekräftige der Wiener Kammerchef Thomas Szekeres in einer Aussendung.

Kammer rechne mit Solidarität

Er rechnet trotz Unannehmlichkeiten mit der Solidarität der Patienten, schließlich kämpfe man ja für das Gesundheitssystem. Außerdem versuche man die Auswirkungen für Patienten so gering wie möglich zu halten, weshalb man den Ärztefunkdienst – telefonisch erreichbar unter 141 – gebeten habe, am Montagvormittag zusätzlich im Einsatz zu sein.

Als Alternative zu eventuell langen Wartezeiten in den Spitalsambulanzen bot sich die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) heute mit ihren hauseigenen Einrichtungen an. Die Krankenkasse betreibt neben vier Gesundheitszentren – diese befinden sich in den Bezirken Landstraße, Mariahilf, Favoriten und Floridsdorf – auch das Hanusch-Krankenhaus in Penzing. WGKK-Obfrau Ingrid Reischl appellierte außerdem via Aussendung an die Ärztekammer, "den Konflikt nicht auf der Straße auszutragen, sondern umgehend wieder Gespräche aufzunehmen".

Pflegekräfte "am Limit"

Im Vorfeld des Warnstreiks meldete sich am Freitag unterdessen auch eine andere Berufsgruppe der KAV-Häuser zu Wort: die Pflegekräfte. Der Pflegebereich arbeite "zunehmend am Limit", beklagte die Gewerkschaftsfraktion KIV/UG per Aussendung. Sie fordert vom KAV Gespräche, "um die Arbeitsbedingungen zu verbessern".

"Statt Sparpakete braucht es im Gesundheitsbereich mehr Personal in allen Berufsgruppen, menschenwürdigere Arbeitsbedingungen und der Arbeitsleistung entsprechende Löhne, die sich nicht in einem Dschungel aus Nebengebühren verlieren", appellierten Biju Onatt und Silvia Tauchner von der Pflege-Personalvertretung. Sie wiesen auch darauf hin, dass man den Ärzteprotest zwar verstehe, aber etwaige Entlastungsmaßnahmen für "eine besonders laute Personalgruppe" die "Grundprobleme des KAV" nicht lösen würden, verwies man auf Arbeitsüberlastung, Personalmangel und Einsparungsdruck. (APA, 9.9.2016)

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