Menschen mochten ihre Schweine offenbar am liebsten schwarz

11. September 2016, 17:52
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DNA-Analyse zeigt erstaunliche Parallelen in der globalen Geschichte der Schweinezucht

Stellen Sie sich jetzt ein Schwein vor. – Welche Farbe hat es? Rosa, selbstverständlich. Oder nicht ganz selbstverständlich, denn mehrheitlich scheint der Menschheit bei der Schweinezucht eine andere Farbe vorgeschwebt zu haben, wie eine aktuelle britische Studie zeigt: Schwarz.

Das Schwein war eines der ersten vom Menschen domestizierten Tiere. Der Gedanke einer Domestizierung war offenbar so auf der Hand liegend, dass er in mehreren Regionen unabhängig voneinander umgesetzt wurde, wie man heute weiß. Zumindest im Nahen Osten, in China und Südostasien ist dies geschehen. Überall wurde dabei auf die gleiche Spezies zurückgegriffen: Das Wildschwein (Sus scrofa), das in mehreren Unterarten über weite Teile Eurasiens verbreitet ist.

Bioinvasor

Heute kommen die Tiere, vom Menschen um die Welt geschleppt, nicht nur in Gefangenschaft, sondern auch in verwilderter Form in zahlreichen weiteren Regionen vor. Zum Beispiel auf Hawaii, wo die verwilderten Nachfahren entkommener Hausschweine eine echte Landplage darstellen: Sie plündern die Nester bodenbrütender Vögel, verwüsten die Vegetation und gefährden damit das einzigartige Insel-Ökosystem.

Bislang war unklar, wer die Tiere nach Hawaii gebracht hat: die ursprünglichen polynesischen Kolonisten oder Jahrhunderte später die Europäer. Für letztere Hypothese sprach das schwarze Haarkleid der Schweine, wie man es von europäischen Schweinerassen kennt.

Die Analyse

Ein Team um Greger Larson von der Universität Oxford hat die Frage nun geklärt. Die Forscher entnahmen 57 Schweinen Gewebeproben und analysierten sowohl die mitochondriale DNA als auch die Gensequenzen, die den Melanocortin-1-Rezeptor kodieren, welcher die Haarfarbe bestimmt. Dabei stießen sie auf eine bislang nicht bekannte Mutation, die sich von bereits bekannten Varianten bei europäischen und chinesischen Schweinerassen unterscheidet, aber ebenfalls zu einer schwarzen Farbe führt.

Larson betont, dass das natürliche Haarkleid der verschiedenen Wildschweinunterarten aus Tarnungsgründen graubraun ist – richtiges Schwarz ist eine zu auffällige Farbe. Er schließt daraus, dass Menschen nicht nur in verschiedenen Weltregionen unabhängig voneinander auf die Idee gekommen sind, Schweine zu domestizieren. Sie züchteten sie auch unabhängig voneinander in Richtung der gleichen Optik. Warum, bleibt unklar. Die Farbe hatte wohl einfach den Reiz des Neuen, so die Forscher. (jdo, 11. 9. 2016)

  • Ein verwildertes Schwein auf Hawaii.
    foto: jack jeffrey photography

    Ein verwildertes Schwein auf Hawaii.

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