Rollstuhlbasketball: Verloren! Egal! Jubel!

9. September 2016, 11:45
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Brasilien musste sich im Rollstuhlbasketball den USA deutlich geschlagen geben. Den brasilianischen Zuschauern war's fast egal. Eine Kurzreportage

Rio de Janeiro – Und plötzlich ein Mordsgetöse. Brasilien muss getroffen haben. Es ist Basketball, da wird üblicherweise oft getroffen. Den Brasilianern ist das wurscht. Sie geben alles. Die im Publikum, und die auf dem Feld. Rollstuhlbasketball, erstes Vorrundenspiel bei den Paralympics, Rio Olympic Arena, Brasilien gegen USA. Basketball ist eine US-Domäne, auch bei den Rollstuhlfahrern. Da haben es die Brasilianer schwer, aber sie haben ja das Publikum. Und die Reihen in der 15.000 Zuschauer fassenden Arena sind recht gut gefüllt.

Der Korb kurz nach Beginn bleibt lange Zeit der einzige. Das Publikum jubelt trotzdem – über Fehlwürfe der US-Amerikaner. Pfiffe gibt es zum Beispiel, wenn die USA einen Freiwurf haben. Kurz vor Ende des ersten Viertels wieder ein Mordsgetöse. Korb. Die US-Amerikaner freilich haben derweil schon ein bisschen öfter getroffen. Mit 4:15 geht es in die erste Viertelpause.

Brasilien braucht ein Wunder. Das Publikum will helfen. Aber der Klassenunterschied ist doch deutlich. Die USA, vor vier Jahren in London Bronzemedaillengewinner, treffen aus Freiwürfen, treffen von der Dreipunkte-Linie, treffen unter dem Korb. Meistens scort der 27-jährige Brian Bell. Brasilien scort meistens gar nicht. Es vergehen mehr als fünf Minuten im zweiten Viertel bis zum dritten Korb der Heimmannschaft. Das Publikum ist noch gut bei Stimme. Auf den nächsten Korb muss es nicht so lange warten. 8:31 steht es nach 16 Minuten. Der fünfte Korb kommt bald hinterher, und auch der sechste, der siebente, der achte. Na bitte, geht doch. Halbzeit. 16:39.

In der Pause fordert ein Moderator das Publikum zum Aufdrehen der Handytaschenlampen auf und zu irgendwelchen Schlachtrufen. Selbstverständlich macht es gerne mit. Welle. Getöse. Einklatschen. Die Zuschauer wären bereit. Die Spieler werfen sich ein. Es kann weitergehen. Vorerst ohne den überragenden Brian Bell. Die USA können es sich leisten, sind in allen Belangen überlegen. Nach dem dritten Viertel führen sie mit 56:24. Am Ende wollen die US-Amerikaner zaubern. Es klappt nicht immer. Egal. Beim Korb zum 34:72 scheint der Jubel lauter denn je. Die Zuschauer haben ihren Spaß, mag sein, sie sind keine Basketball-Experten. Praktisch mit der Schlusssirene treffen die Brasilianer noch einmal. Frenetischer Jubel für die Heimmannschaft, am Ende müssen sie sich mit 38:75 geschlagen geben. Zumindest die Zuschauer hatten ihren Spaß. (Birgit Riezinger, 9.9.2016)

Diese Reise erfolgte teilweise auf Einladung des ÖPC.

  • Beim Rollstuhlbasketball geht es zur Sache.
    foto: apa/ap/izquierdo

    Beim Rollstuhlbasketball geht es zur Sache.

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