"Nackter Mann, der brennt": Härte und Pathos

12. September 2016, 11:38
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Was Friedrich Ani aus einer scheinbar simplen Rachegeschichte macht, ist so einmalig wie abgründig

Es scheint eine simple Rachegeschichte zu sein: Ein Fremder zieht in ein Dorf, verhält sich unauffällig, und auf einmal sterben ältere Männer eines merkwürdigen Todes. Es ist von Anfang an klar, dass der Böse der Ich-Erzähler ist. Eigentlich kann das nicht so spannend werden.

Nur, was Friedrich Ani daraus macht, ist so einmalig wie abgründig. Der angeblich Fremde ist ein Kind aus dem Dorf, missbraucht wie seine Spielkameraden, hilflos damals, voller Wut heute. Die Honoratiorenrazzia mit letalem Ausgang wird fantasievoll angelegt. Dennoch wittert eine Kommissarin Unrat.

Der kalte Blick des Erzählers, sarkastisch und auch sich selbst gegenüber schonungslos, ist verstörend. Ani verwendet Zitate, die sich anhören, als wären sie aus der Bibel, und die in ihrer Härte und ihrem Pathos eine Befindlichkeit beschreiben, die jenseits aller Psychothriller-Psychologie daherkommt.

Wird der Böse seine Rache vollenden können? Auch da schafft es Ani, den Leser zu überraschen, und der Titel offenbart einen doppelten Boden. (Ingeborg Sperl, Album, 12.9.2016)

  • Friedrich Ani, "Nackter Mann,  der brennt". € 20,60 / 222 Seiten. Suhrkamp, Berlin 2016
    cover: suhrkamp

    Friedrich Ani, "Nackter Mann, der brennt". € 20,60 / 222 Seiten. Suhrkamp, Berlin 2016

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