ORF: Wrabetz fixiert Nachrichtenvideos und präsentiert Klassikportal

8. September 2016, 18:54
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Bei Fidelio-Präsentation signiert ORF-Chef APA-Projekt

Wien – Bevor Alexander Wrabetz am Donnerstag im Wiener Musikverein das neue Klassikportal präsentierte, zeichnete der ORF-General noch rasch eine andere Videoplattform ab: ORF-Nachrichtenvideos, auch für andere Medienportale, vermittelt über die Nachrichtenagentur APA. Das lang gewälzte Kooperationsprojekt mit Zeitungsseiten kann starten.

Fidelio indes läuft da schon, in ehelicher Liebe zwischen dem öffentlich-rechtlichen ORF und der privaten deutschen Produktionsfirma Unitel von Jan Mojto. In Österreich halten die beiden Gesellschafter je 50 Prozent, an Auslandsprojekten des Klassikportals soll der ORF rund ein Viertel der Anteile halten.

"Welt erobern"

"Wir wollen ja die Welt erobern", umreißt Mojto in gewohnter Bescheidenheit das Ziel für Fidelio. In der Klassikwelt traut sich das auch ORF-General Wrabetz zu, aus der "Welthauptstadt" dieses Genres, aus dem "Weltmarktführer" Österreich.

Fürs Erste widmet sich Fidelio freilich bescheidener vor allem Österreich und dem deutschsprachigen Raum. Mit einer "vierstelligen" Abonnentenzahl rechnet Noch-Finanzdirektor Richard Grasl im ersten Jahr. Pro Monat soll das Abo 14,90 Euro kosten, im Jahr 149 Euro. Zum Start bekommen die Abonnenten 560 Programmstunden Oper, Konzert auf Abruf, einen Fernsehkanal auch mit Live-Übertragungen, eine Infoplattform.

Fidelio "primär Kulturtat"

Über erwartete Einnahmen schweigen die Herren. In ersten Businessplänen für Fidelio standen nach STANDARD-Infos bis 2021 jährliche Umsätze zwischen 2,7 und vier Millionen Euro.

Aber Abos findet ORF-Chef Wrabetz ohnehin nicht so wichtig: "Primär sehen wir das als Kulturtat", versichert er. Und dennoch: Die Kulturtat ist kaufmännisch und organisatorisch ein kommerzielles ORF-Projekt, für das der ORF keine Rundfunkgebührenmittel verwende, sagt Grasl.

Ein Job für Grasl

Finanzdirektor ist Grasl nur noch bis Ende 2016, kommenden Donnerstag bestellt der ORF neue Direktoren und Landesdirektoren. Die ÖVP wollte Grasl, der im August gegen Wrabetz um die ORF-Führung angetreten war, im ORF halten. Grasl winkt ab, verrät aber seinen künftigen Job noch nicht.

Unitel-Chef Mojto, mit dem Grasl das Projekt Fidelio vorbereitet hat, hat ihm noch keinen Job angeboten. "Richard Grasl braucht nicht mich, um ein Jobangebot zu haben", sagt Mojto. "Aber wir können gerne nachher reden."

Abnicken unter Auflagen

Die ORF-Nachrichtenvideos auch für andere Medienplattformen sind ein Berichtspunkt im Finanzausschuss des ORF-Stiftungsrats am Montag und im Plenum am Donnerstag.

Die Wettbewerbsbehörde hatte sich gegen eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft von ORF und Zeitungen für Onlinevideos quergelegt. Den Plan B – Videos über die gemeinsame Nachrichtenagentur APA – hat sie offenbar mit Auflagen abgenickt. (fid, 8.9.2016)

  • Fidelio-Präsentation und APA-Deal erledigte ORF-Chef Wrabetz in einem Aufwasch.
    foto: apa/erwin scheriau

    Fidelio-Präsentation und APA-Deal erledigte ORF-Chef Wrabetz in einem Aufwasch.

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