Zara-Chef Ortega überholt Bill Gates als reichsten Mann der Welt

9. September 2016, 05:30
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Textilmogul Amancio Ortega Gaona ist an einem Tag um eine Milliarde reicher geworden

Krawatten trägt Amancio Ortega Gaona nicht, dafür umso lieber Jeans. Produzieren lässt der Gründer des Inditex-Textilimperiums beides en masse. Aktuell ist der Spanier wieder an der Spitze der Forbes-Reichstenliste angelangt. Mit einem Vermögen von 79,1 Milliarden Dollar (70 Milliarden Euro) liegt der 80-Jährige knapp vor Bill Gates (78,5 Milliarden Dollar) – im Echtzeit-Ranking wohlgemerkt.

Doch ist der öffentlichkeitsscheue Ortega, der angeblich noch nie ein Interview gegeben hat, weit weniger bekannt als sein Multimilliardärsrivale Gates. Dafür sind seine vielen Modemarken wie Zara, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius oder Oysho allseits ein Begriff.

Während sich Gates in College-Jahren als Hacker und Bastler in seiner Garage verwirklichte, musste Ortega früh die Ärmel hochkrempeln, um Geld zu verdienen. Mit 14 Jahren begann er für Textilfirmen im galicischen La Coruña unter anderem per Fahrrad Kleidungsstücke zuzustellen. 1963 machte Ortega sich mit Goa Confecciones S.A. selbstständig. Er produzierte Bademäntel, erst für den spanischen, dann auch für den europäischen Markt. Der Grundstein war gelegt, um mit seiner ersten Ehefrau Rosalía Mera 1975 die erste Zara-Filiale im Zentrum von La Coruña zu eröffnen.

Umgebremste Expansion

Was folgte, war 1986 die Gründung von Inditex Diseño Textil S.A. – und eine bis heute ungebremste Expansion. Einer von Ortegas Unternehmenseckpfeilern ist, Geschäftsflächen nicht zu mieten, sondern zu kaufen. Und zwar an den Topadressen der Metropolen, sei es in New Yorks 5th Avenue oder in Schanghai an der Nanjing Road. Andererseits vereint Inditex in allen Marken Produktion, Vertrieb und Verkauf der Waren unter einem Dach. Was neue Kollektionen im Zweiwochentakt an die Kunden bringt.

Ortegas immenser Reichtum fußt primär auf seinen Inditex-Aktien. Immerhin 59,2 Prozent der Anteile befinden sich in seinem Besitz. Sie verhalfen ihm zu seiner jüngsten Forbes-Thronbesteigung. Stiegen die Titel doch in den vergangenen drei Monaten um elf Prozent und markierten am Mittwoch mit 33 Euro (Tagesplus von 2,5 Prozent) nur knapp unter deren historischem Höchstwert von 34,1 Euro. Die Inditex-Börsenkapitalisierung übertraf die 103-Milliarden-Euro-Schwelle. Analysten von JP Morgan Chase sehen Luft nach oben. Im ersten Quartalsbericht 2016 überraschte das Unternehmen mit sechs Prozent Gewinnanstieg und zwölf Prozent Umsatzplus auf etwa fünf Milliarden Euro Aktionäre und Analysten gleichermaßen positiv.

Kein Knauser

Im Gegensatz zum Microsoft-Gründer, der als Philanthrop gemeinsam mit seiner Ehefrau Melina Gates eine Stiftung leitet, die bisher mehr als 37 Milliarden Euro spendete, hat Ortega laut Onlinezeitung ctxt.es für wohltätige Zwecke gerade eben einmal 150 Millionen Euro ausgegeben. Der als penibler Beobachter und Perfektionist bekannte Ortega ist freilich kein Knauser in Dagobert-Duck'scher Manier. Wiederholt spendete er an Schulen und Gesundheitseinrichtungen mehrstellige Millionen-Euro-Beträge. Zudem betreibt er ein Stipendiaten-Programm, das es begabten Kindern aus Galicien ermöglicht, in Nordamerika den Schulabschluss zu machen. Die von ihm initiierte Stiftung Paideia unterstützt Kinder mit Beeinträchtigungen. Der Unternehmer hat einen Sohn aus erster Ehe, der schwerbehindert geboren wurde.

Geschätzt wird er jedenfalls von den 42.000 Spaniern, denen er auch während der tiefen Wirtschaftskrise Arbeit gab. Zugleich verlagerte er auch einzelne Produktionsstätten zurück nach Spanien. (Jan Marot aus Granada, 9.9.2016)

  • Der Gründer des Inditex-Textilimperiums, Amancio Ortega Gaona, ist nicht nur reich an ertragreichen Aktien, sondern auch an Kopfbedeckungen. Aktuell hat er Microsoft-Mitgründer Bill Gates vom ersten Platz auf der Superreichenliste des "Forbes"-Magazins verdrängt.
    foto: epa/torrecilla

    Der Gründer des Inditex-Textilimperiums, Amancio Ortega Gaona, ist nicht nur reich an ertragreichen Aktien, sondern auch an Kopfbedeckungen. Aktuell hat er Microsoft-Mitgründer Bill Gates vom ersten Platz auf der Superreichenliste des "Forbes"-Magazins verdrängt.

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