165 Braune Zwerge in der kosmischen Nachbarschaft entdeckt

10. September 2016, 17:30
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Ultrakühle "verhinderte Sterne" dürften häufiger sein als bisher angenommen, glauben kanadische Astrophysiker

Montréal – Braune Zwerge gelten als reichlich seltsame astronomische Objekte. Sie sind kleiner als als herkömmliche Hauptreihensterne, aber größer als die größten bekannten Gasriesen – bilden also eine Art Zwischenexistenz. Für Wissenschafter sind sie vor allem deshalb interessant, weil sie Hinweise auf die Evolution sowohl von Sternen als auch von Planeten liefern. Und sie sind möglicherweise häufiger als gedacht: Ein internationales Team von Astronomen hat nun gleich eine ganze Reihe von Braunen Zwergen in der näheren kosmischen Umgebung entdeckt.

Genau genommen sind Braune Zwerge verhinderte Sterne. Ihre Masse reicht nicht dazu aus, jenen Wasserstofffusionsprozess zu zünden, der herkömmliche Sterne zum Strahlen bringt. Daher kühlen sie nach ihrer Geburt allmählich aus und schrumpfen dabei. Viel weiß man bisher nicht über die sie, besonders ihre Zusammensetzung und atmosphärische Komposition ist in vielen Fällen noch unerforscht.

Dabei haben sie gegenüber Exoplaneten einen bedeutenden Vorteil: Weil sie meistens gleichsam allein durchs All ziehen und nicht von einem nahen Stern überstrahlt werden, lassen sie sich leichter beobachten – und doch werden viele übersehen. Nun ist es Forschern um Jasmin Robert von der Université de Montréal gelungen, im Rahmen der SIMP-Survey (Sondage Infrarouge de Mouvement Propre) in einem Bereich, der etwa 28 Prozent des gesamten Himmels ausmacht, gleich 165 bisher unbekannte ultrakühle Braune Zwerge in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Sonnensystem zu erspähen.

Viele Braune Zwerge schlüpfen durchs Netz

Ein Drittel der Braunen Zwerge mit einer gemessenen Temperatur von unter 2.200 Kelvin zeigte Anzeichen für eine ungewöhnliche Zusammensetzung oder andere Besonderheiten. Robert und sein Team gehen davon aus, dass diese kühlen Braunen Zwerge bei Durchmusterungen mit bisherige Beobachtungstechniken leicht durchs Netz schlüpfen.

"Die Suche nach ultrakühlen Braunen Zwergen in der Umgebung unseres Sonnensystems ist damit jedoch alles andere als vollendet", meint Jonathan Gagné von der Carnegie Institution for Science in Washington D.C., der ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Unsere Ergebnisse legen vielmehr nahe, dass sich noch viele von ihnen in bereits gesammelten Durchmusterungsdaten verbergen." (red, 10.9.2016)


Studie im Volltext
arXiv.org: "A Brown Dwarf Census from the SIMP Survey,"

  • Braune Zwerge sind nur schwach glühende Wanderer zwischen den Sternen. Ob die meisten von ihnen in Sternsystemen entstehen und rausgeschleudert werden oder für sich allein aus Materiewolken geboren werden, ist noch unklar.
    illustr.: caltech

    Braune Zwerge sind nur schwach glühende Wanderer zwischen den Sternen. Ob die meisten von ihnen in Sternsystemen entstehen und rausgeschleudert werden oder für sich allein aus Materiewolken geboren werden, ist noch unklar.

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