Machtpolitik in Roms Stadtverwaltung: Das Scheitern vor Augen

Kommentar8. September 2016, 17:06
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Virginia Raggi wird das Szenario des Scheiterns nach nur zweieinhalb Monaten im Amt brutal vor Augen geführt

Wahrscheinlich verflucht Virginia Raggi schon den 19. Juni, als sie zur Bürgermeisterin von Rom gewählt wurde. Denn von Anfang an durfte sie nicht Tatendrang und Optimismus versprühen, sondern musste sich mit Machtspielen und Realpolitik auseinandersetzen. Dabei wurde der Neopolitikerin von Beppe Grillos Protestpartei schnell klar: Du kannst Rom nicht regieren, wenn du nicht zum althergebrachten elitären Zirkel gehörst. Und einer Frau wird alles doppelt und dreifach schwergemacht.

Raggi wird nun das Szenario des Scheiterns nach nur zweieinhalb Monaten im Amt brutal vor Augen geführt: Wer den Nahverkehr und die Müllentsorgung nicht im Griff hat, der hat schon verloren. Und es spricht nichts dafür, dass Raggi diese Probleme wird lösen können – nicht, seitdem bekannt ist, dass gegen eine ihrer Stadträtinnen Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs eingeleitet wurden und dass Raggi dies offenbar vertuschen wollte.

Profiteur könnte wieder einmal Ministerpräsident Matteo Renzi sein: Dem Sozialdemokraten sitzt Grillo seit Jahr und Tag im Nacken. Sollte sich Raggi nicht bald aus dem Wirrwarr ihrer Probleme befreien können, würde Renzi keine Sekunde zögern, den Spieß umzudrehen und sich als einzig vertrauenswürdiger Macher für Italien zu präsentieren. So könnten es ausgerechnet die "Grillini" sein, die im Herbst Renzis heikles Verfassungsreferendum – und damit seine politische Karriere – doch noch retten. (Gianluca Wallisch, 8.9.2016)

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