Wahl in Leopoldstadt: Rote Hochburg mit grün-blauem Schatten

Analyse9. September 2016, 08:00
79 Postings

Grün und Blau matchen sich am 18. September um Platz zwei. Es geht so knapp her, wie bei der Präsidentschaftswahl zwei Wochen später

Wien – Nicht nur die Plakate von Norbert Hofer oder Alexander Van der Bellen stechen einem momentan ins Auge, wenn man durch die Leopoldstadt spaziert. Im zweiten Wiener Gemeindebezirk tobt seit einigen Wochen parallel zur neuerlichen Auseinandersetzung um das Amt des Bundespräsidenten ein Mini-Wahlkampf, in dem es um die Bezirksvertretung geht.

Auch bei dieser Wahl hatte der Verfassungsgerichtshof wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Wahlkarten und nach Anfechtung durch die FPÖ die Wiederholung angeordnet.

grafik: apa

Die Parteien nehmen den zweiten Wahlgang sehr ernst. Kaum ein Tag vergeht, an dem niemand zu einer Pressekonferenz lädt. "Mutige Ideen für die Wirtschaft im 2. Bezirk" präsentierten etwa kürzlich die Neos. Die ÖVP trommelte zu einem Termin unter dem Motto "Sicherheit schaffen – sicher fühlen am Praterstern".

Grün versus Blau

Bei all der Aufregung gilt freilich: Mit rund 72.000 Wahlberechtigten ist die Relevanz der Wahl überschaubar. Spannender – auch für politische Beobachter – macht die Auseinandersetzung jedoch, dass wie bei der zwei Wochen später stattfindenden Bundespräsidentschaftswahl ein Duell Grün versus Blau ansteht. Denn die beiden Parteien lagen beim ersten Wahlgang im Oktober 2015 nur 21 Stimmen auseinander. Und so kurz vor der Wahl zwischen Van der Bellen und Hofer interessiert, wer die Nase vorne haben wird.

foto: apa/neubauer
Wahlkampfgag der Grünen im Leopoldstädter Mini-Wahlkampf.

In Anspielung auf das Präsidentschaftsduell schicken die Grünen einen gänzlich in blau gehüllten Mann durch den Bezirk, der ganz nach Hofer auf einem Schild stehen hat: "Wer nicht wählen geht, wird sich wundern, was alles geht." Die FPÖ gibt sich bodenständiger und fordert auf ihren Wahlplakaten eine "wienerische" Leopoldstadt.

foto: apa/pfarrhofer
Spitzenkandidat der FPÖ ist Wolfgang Seidl. Er bekam beim Wahlkampfauftakt Unterstützung von Johann Gudenus.

Überraschungen hinsichtlich des Bezirksvorstehers wird es jedoch kaum geben. Der Bezirk ist seit jeher eine rote Hochburg. Bei der Wahl im Oktober 2015 kam die SPÖ auf 38,64 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 22,15 Prozent und der FPÖ mit 22,10 Prozent. Die ÖVP erreichte 7,08 Prozent, die Neos 5,68 Prozent und Wien anders 2,77 Prozent.

An der Spitze der Leopoldstadt steht seit April 2013 Karlheinz Hora. Er ist der neunte rote Bezirksvorsteher im Zweiten seit 1945. Seine Politik ist nicht unumstritten, brachte er etwa Teile der Bevölkerung gegen sich auf, als er sich für ein Gastroprojekt ausgesprochen hatte, das das Ende der letzten frei zugänglichen Grünflächen am Donaukanal bedeutet hätte. Aus dem Vorhaben wurde letztendlich aber nichts.

foto: apa/herbert pfarrhofer
Karlheinz Hora (SPÖ) ist seit 2013 Bezirksvorsteher. Im Bild mit Stadträtin Sonja Wehsely.

Bei der Wahl 2015 verlor die SPÖ 3,6 Prozentpunkte. Die meisten Sprengel konnten die Roten dennoch für sich entscheiden. Für Diskussionen sorgte das Stuwerviertel. Im Bobogrätzel, das in den vergangenen Jahren stark gentrifiziert wurde, grenzt ein Sprengel mit grüner an eines mit FPÖ-Mehrheit. Grund für die Dominanz der Blauen am Max-Winter-Platz dürfte das Bordell gewesen sein, das neben einer Schule eingezogen ist. Die FPÖ erregte mit Protestaktionen Aufsehen.

Immer wieder Praterstern

Neben dem aufgrund krimineller Vorfälle wieder verstärkt in den Fokus geratenen Praterstern, ist vor allem die Stadterweiterung Thema im Bezirkswahlkampf. Bevölkerungsprognosen zufolge wird die Leopoldstadt in den kommenden 20 Jahren um rund 20.000 Personen wachsen. Am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs sollen bis 2025 10.000 Wohnungen entstehen. Auch rund um die Wirtschaftsuniversität schießen die Wohnungen aus dem Boden – zu teils absurd hohen Preisen.

foto: reuters/heinz-peter bader
Das Riesenrad am Beginn der Grünoase Prater.

Im Bezirk zwischen Donaukanal und Donau, der beim Augarten an den 20. Bezirk angrenzt, ist auch der Verkehr Dauerthema. Während die Grünen für Verkehrsberuhigung eintreten, fordert die ÖVP, dass die viel befahrene Praterstraße zweispurig bleibt.Viel Aufmerksamkeit gab es im 250. Jubiläumsjahr für den Prater, der 1766 für die Bevölkerung geöffnet wurde. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass mehr als ein Drittel des Bezirks Grünflächen sind. (Rosa Winkler-Hermaden, 9.9.2016)

Share if you care.