Hofer in Tschechien: Flucht nach Prag

Kolumne8. September 2016, 17:00
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Der FPÖ-Kandidat hat eindeutig bewiesen, dass eine Berufsunfähigkeit für das Amt des österreichischen Staatsoberhaupts vorliegt

Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich war Prag eine der ersten Stationen, in die österreichische Antifaschisten flüchteten, um ihr Leben zu retten. Nächste Woche wird das nibelungentreue Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft Norbert Hofer dorthin flüchten, um für seinen Wahlkampf um die Hofburg zu retten, was noch zu retten ist. Wenn er nur wieder zurückkommt! Wiederholt musste er feststellen, dass Van der Bellen die Schickeria hinter sich hat, er aber das Volk. Nun will er das Volk beeindrucken, indem er auch noch die Schickeria in Gestalt des tschechischen Staatspräsidenten heim ins wahlkämpfende Österreich holt. Eine Parallelaktion, ganz im Geiste des braven Soldaten Schwejk, der allerdings Hunde- und nicht Stimmenfänger war.

Die begeisterte Einmischung in einen österreichischen Wahlkampf würde sich der tschechische Staatspräsident im umgekehrten Fall wohl verbeten haben. Aber wie konnte er dem Gesäusel eines Freiheitlichen widerstehen, gegen dessen ungeistige Heimat er noch aufgetreten ist, als er sich im Gefolge der schwarz-blauen Regierung Schüssel den Boykottmaßnahmen der Europäischen Union anschloss? Hat er doch nun einen weit gefährlicheren Feind ausgemacht, gegen den es unbedingt gilt sich mit Hofer zu verbünden: "Die Grünen mag ich schlichtweg nicht", und ein grüner Bundespräsident wäre offenbar ein Dorn in seinem tschechischen Auge. Und mit der Abneigung gegen die Grünen schießt Liebe ein: "Ich bestreite nicht, dass ich Fan von Herrn Hofer bin." Wo Abneigung gegen die Grünen schon ausreicht, um über Staatsgrenzen hinweg den "Freundschaftsbesuch" mit einem Deutschnationalen zu organisieren, muss man neidvoll anerkennen, dass politisches Genie nicht nur in Österreich zu Hause ist. Aber Hofer sei ja nicht nur deutschnational, sondern im Nebenberuf auch noch ein Drittel "der derzeitigen kollektiven Führung der Republik Österreich", was als Begründung erstens grober Unsinn ist, weil es zweitens nicht erklärt, warum nicht auch die zwei anderen Drittel eingeladen sind, wo Zeman doch nur die Grünen nicht leiden kann. Vielleicht deshalb, weil die zwei keinen Wahlkampf führen?

Statt diese unverfrorene Einmischung in einen österreichischen Wahlkampf im Keim zu ersticken, haben sich hiesige Behörden dazu hergegeben, sie zu fördern. Hofer musste nur per Mail den österreichischen Botschafter in Prag um eine Terminvermittlung bitten. Er tat dies aber, ohne die anderen zwei Drittel "der derzeitigen kollektiven Führung der Republik Österreich" zu informieren, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, diese könnten ihm seine Pläne, über deren sinistre Qualität man sich nur wundern kann, auszureden.

Wenn er also am Montag Zeman kennenlernen und mit ihm "plaudern" will, dann wird die Pinkafelder Plaudertasche dies als Privatmann tun. Dennoch muss man ihm für seinen Einsatz dankbar sein. Er hat damit, fern von allen Bescheiden der Pensionsversicherungsanstalt, bewiesen, dass Berufsunfähigkeit für das Amt eines österreichischen Staatsoberhauptes eindeutig vorliegt. Und zwar zu hundert Prozent. (Günter Traxler, 8.9.2016)

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