Ägypten verbietet das Aufstellen von Statuen

8. September 2016, 16:02
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Grund sind Proteste gegen "sexuell belästigte Märtyrermutter" und "Frankenstein-Nofretete"

Ägypten verbietet das Aufstellen von Statuen in der Öffentlichkeit. Ab sofort dürfen nur mit Genehmigung der Regierungsbehörden Standbilder im öffentlichen Raum platziert werden. Der ägyptische Regierungschef Sherif Ismail sagte, es sei in Zukunft verboten, "Statuen oder Wandgemälde auf öffentlichen Plätzen anzubringen oder zu renovieren, außer nach einer Prüfung der Ministerien für Altertümer und Kultur" . Auslöser für den ungewöhnlichen Schritt waren Debatten über hässliche Skulpturen im ganzen Land.

In der Stadt Balyana in der Provinz Sohag am Westufer des Nil ordneten die Behörden Veränderungen am Denkmal "Mutter des Märtyrers" an, nachdem es zu Protesten gekommen war, weil die Statue angeblich die sexuelle Belästigung einer Frau durch einen Soldaten zeige.

"Falsch verstanden"

Der Bürgermeister von Balyana, Adli Abu Akil, sagte, die mehr als acht Meter hohe Betonstatue solle einen gefallenen Soldaten zeigen, der seine Mutter umarme: "Die Leute haben es falsch verstanden." Dass das Standbild in der Nähe einer Mädchenschule steht, gab der Kritik weiter Auftrieb. Nun soll die Statue umgearbeitet werden und künftig nur eine Frau zeigen, die die ägyptische Flagge hochhält. Sexuelle Belästigung und Missbrauch ist ein weitverbreitetes Problem in Ägypten. Studien zufolge sollen mehr als 99 Prozent der Frauen bereits Opfer von sexueller Belästigung geworden sein.

Sohags Gouverneur Aiman Abdel-Monaim ordnete eine Untersuchung an. Er bemängelte, dass der Ortsrat die Provinzregierung hätte fragen müssen, bevor die 250.000 ägyptische Pfund (25.000 Euro) teure Statue genehmigt wurde.

Umbau

Der Bildhauer Wagi Jani hat bereits mit dem Umbau seines Werks begonnen. Der Soldat wurde entfernt, ein Olivenzweig in der Hand der Frau und weiße Tauben in Halbmondformation über ihrem Kopf sollen künftig Frieden symbolisieren. "Es ist mir wichtig, dass jeder mit der Statue glücklich ist", sagt der Künstler.

In Samalut in der Provinz Minya war im Vorjahr eine "Kopie" der berühmten Büste der Nofretete von einem öffentlichen Platz entfernt worden. Die Darstellung der legendär schönen Königin hatte als "Frankenstein-Nofretete" Bekanntheit erlangt.

In sozialen Medien hatten sich damals zahlreiche Kommentatoren lustig über die "durch Schwimmen in einem verschmutzten See an Bilharziose und Hepatitis C leidende" Königin gemacht. Ein anderer User schrieb, er glaube an den Fluch der Pharaonen und hoffe, dass er die Verantwortlichen treffe. Der Gouverneur von Minya kündigte nach der Entfernung der Büste eine Untersuchung an.

Die Büste der Nofretete war im Jahr 1912 von einem deutschen Archäologenteam in den Ruinen der Stadt Achetaton ausgegraben worden. Die weltberühmte Plastik ist auf der Berliner Museumsinsel zu bewundern. Zwischen Kairo und Berlin herrscht seit Jahrzehnten ein Streit darüber, welches Land der rechtmäßige Besitzer der Büste sei – Ägypten fordert die Rückgabe. (Michael Vosatka, 8.9.2016)

  • Die "Mutter des Märtyrers" wird mittlerweile nicht mehr von einem Soldaten "belästigt".
    foto: ap/ahmed

    Die "Mutter des Märtyrers" wird mittlerweile nicht mehr von einem Soldaten "belästigt".

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