Körperverletzungsprozess: Türsteher offenbar von vier Polizisten verleumdet

8. September 2016, 13:22
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Ein ehemaliger Türsteher wurde vom Vorwurf freigesprochen, angehende Polizisten verprügelt zu haben. Er erwägt nun eine Verleumdungsklage

Wien – Marcin W., früher Türsteher im Innenstadtlokal Bettelalm, ist am Donnerstag am Wiener Straflandesgericht vom Vorwurf freigesprochen worden, angehende Polizisten verprügelt zu haben. "Ich bin weit davon entfernt, dass ich glaube, dass Sie dort hingeschlagen haben", stellte Richter Stefan Romstorfer am Ende des Verfahrens fest.

Der 40-Jährige hatte sich schon beim Prozessauftakt Anfang August nicht schuldig bekannt und betont, er sei am 9. April 2015 im Zug einer Auseinandersetzung mit vier Polizeischülern nicht gewalttätig geworden. Vielmehr habe ihm eine junge Beamtin den Pullover zerrissen, außerdem habe er von ihr eine Ohrfeige kassiert, als er sie hinausdirigierte.

Videoaufnahmen bestätigen Angeklagten

Diese Angaben wurden nun von Videoaufnahmen aus mehreren Überwachungskameras bestätigt. Auf den Bildern war zu sehen, wie sich zunächst ein angehender Polizist theatralisch zu Boden fallen lässt, nachdem er des Lokals verwiesen wurde, weil er sich zu einer rassistischen Beschimpfung hinreißen hatte lassen. Daraufhin wurden die Security-Mitarbeiter von den anderen Polizeischülern umringt, was ihren Kollegen offensichtlich freute. Er verfiel in rhythmische Tanzbewegungen.

In der nächsten Sequenz war zu sehen, wie die deutlich aufgebrachte Polizeischülerin dem Angeklagten mit der Hand ins Gesicht fährt. Weder in dieser Szene noch bei späteren Aufnahmen im Außenbereich, wo es zwischen den Polizeischülern – sie hatten in der Bettelalm ein "Blaulicht-Clubbing" besucht – und den Sicherheitskräften eskaliert sein soll, waren Handgreiflichkeiten des Angeklagten zu bemerken.

Angeklagter erwägt Verleumdungsklage gegen Polizisten

Bei den Außenaufnahmen war der Angeklagte überhaupt nicht im Bild, was seiner Darstellung entsprach, er habe das Lokal gar nicht verlassen. Die mittlerweile in den Exekutivdienst übernommenen Beamten hatten dagegen behauptet, er habe auch noch vor dem Lokal Faustschläge verteilt. Der Mann kündigte nach dem Freispruch an, er werde jetzt gegen die Polizisten vorgehen und erwäge eine Anzeige wegen Verleumdung. Immerhin habe er aufgrund ihrer Anschuldigungen seinen Job verloren.

In einem zweiten Anklagepunkt wurde der Angeklagte allerdings schuldig erkannt. Er wurde wegen Verhetzung zu zehn Monaten bedingt verurteilt, weil er nach den Silvester-Übergriffen in Köln auf Facebook gepostet haben soll, die Täter gehörten "in eine Verbrennungsanlage" und "als Schweinsfutter in Dosen verarbeitet". Der Richter glaubte seiner Behauptung nicht, das Posting stamme von einem Unbekannten, der sich dazu seines Facebooks-Accounts bedient habe. (APA, 8.9.2016)

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