Gammarus alpinus: Neue Flohkrebsart im Alpenraum entdeckt

8. September 2016, 12:36
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Genetische und morphologische Vergleiche enthüllten eine neue Spezies

Dübendorf – Schweizer Forscher haben eine neue Flohkrebs-Art entdeckt, die nur im Alpenraum vorkommt. Das Gammarus alpinus getaufte Tier lebt zwar in vielen Bergseen noch ungestört, wird aber im Bodensee bereits zunehmend vom invasiven Höckerflohkrebs bedrängt, warnen die Biologen.

Entdeckt wurde die neue Spezies von Roman Alther und Florian Altermatt vom Wasserforschungsinstitut Eawag in Dübendorf bei Zürich, als Alther für seine Dissertation eine Übersicht der Verbreitung und Artenvielfalt der Flohkrebse in der Schweiz erstellte. Eigentlich suchten Alther nach dem weit verbreiteten Seeflohkrebs (Gammarus lacustris), als plötzlich ein bislang unbekannter Vertreter aus der Tiergruppe der Flohkrebse (Amphipoda) ans Licht kam.

Borstiger Beweis

Dass es sich tatsächlich um eine neue Art handelt, zeigte sich zunächst durch genetische Analysen: In einem durch genetische Vergleiche errechneten Stammbaum bildeten die alpinen Flohkrebse einen separaten Verwandtschaftszweig.

Ein erfahrener Taxonom aus Slowenien unterstützte die Schweizer Biologen dabei, den Körperbau des alpinen Flohkrebses mit dem des Seeflohkrebses zu vergleichen. "Als auffälligstes Unterscheidungsmerkmal besitzt der alpine Gammaride auf einem seiner beiden Greifbeinpaare nur eine Borstengruppe", erklärte Alther in einer Aussendung. "Bei Gammarus lacustris sind es zwei."

Die Forscher beschreiben Gammarus alpinus nun im Fachblatt "Zoological Journal of the Linnean Society". Sie warnen auch, dass der neue Flohkrebs bereits gefährdet ist: Der Klimawandel könnte der an kalte Bedingungen angepassten Art zusetzen. Auch invasive Arten wie der aus der Region des Schwarzen Meeres eingeschleppte Große Höckerflohkrebs bedränge den Bestand. "Akut ist die Situation im Bodensee", so Altermatt.

Problematischer Bioinvasor

Erst kürzlich konnten deutsche Forscher nachweisen, dass der Große Höckerflohkrebs zwar ein klein wenig besser ist als sein Ruf: Er ernährt sich nicht selbst maßgeblich von anderen Flohkrebsen, sondern verdrängt diese aus ihren Verstecken, woraufhin diese zur leichten Beute für kleine Fische werden. Damit spielt er beim massiven Artenschwund von Kleinkrebsen in heimischen Gewässern eine kleinere Rolle als zuvor angenommen, beteiligt ist er daran aber allemal.

Flohkrebsen kommt eine wichtige Rolle in Ökosystemen zu: Sie bauen organisches Material ab und dienen Fischen als Nahrung. "Doch trotz ihrer Bedeutung weiß man über Amphipoden erstaunlich wenig", so Altermatt. (APA, red, 8. 9. 2016)

  • Der Flohkrebs Gammarus alpinus.
    foto: roman alther/ eawag

    Der Flohkrebs Gammarus alpinus.

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