Mehrheit der Österreicher für verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse

8. September 2016, 12:35
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Einer Umfrage zufolge sprechen sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung für regelmäßige und verpflichtende Schulungen aus

Wien – 98 Prozent der Österreicher zwischen 14 und 69 Jahren wissen, was ein Defibrillator ist. Nahezu drei Viertel trauen sich auch dessen Anwendung zu. Das zeigte einer im August 2016 durchgeführte repräsentativen Online-Umfrage des Markt- und Meinungsforschungs- Institutes Integral von rund 2.000 Probanden.

45 Prozent der Befragten haben Angst, selbst in eine Notsituation zu geraten. Neun von zehn Teilnehmern wiegen sich in trügerischer Sicherheit: So vertrauen 92 Prozent der Österreicher darauf, im Ernstfall gut versorgt zu werden, allerdings halten sich die Erste-Hilfe-Kenntnisse bei vier von zehn Befragten in Grenzen. Sie trauen trauen sich eher nicht oder überhaupt nicht zu, Notfallmaßnahmen zu setzen.

So verwundert es nicht, dass sich in der aktuellen Erhebung 69 Prozent der Österreicher dafür aussprechen, dass der regelmäßige Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses verpflichtend sein sollte.

Nach Führerscheinprüfung passiert nur mehr wenig

Etwas mehr als die Hälfte der Österreicher kam bereits in die Situation, in einem Notfall helfen zu müssen. In den meisten Fällen wurde die Rettung alarmiert (44 Prozent) oder Hilfe aus der Nähe geholt (17 Prozent). Jeweils acht Prozent haben Blutungen gestillt bzw. Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt. Etwas über einem Fünftel (22 Prozent) hat schon einmal einen Notfallpatienten in die stabile Seitenlage gebracht.

Neun von zehn Probanden besuchten zwar schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs, allerdings liegt bei mehr als der Hälfte davon (55 Prozent) der Kurs fünf Jahre oder länger zurück. Meist wird das Thema Erste Hilfe nach dem erfolgreichen Erwerb des Führerscheins ad acta gelegt.

"Nicht mehr am aktuellen Stand"

"Erste Hilfe sollte bereits in der Schule obligatorisch und regelmäßig vermittelt werden. Außerdem sollten für Autofahrer Auffrischungskurse verpflichtend eingeführt werden", fordert Johannes Bucher, Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe.

"Die meisten Österreicher sind nicht mehr am aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse und sie sind aus der Übung. Studien belegen, dass etwa bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand die rasche Hilfe durch einen Ersthelfer die Überlebenschance drastisch erhöht. Gerade bei der Ersten Hilfe ist es wichtig, dass die lebensrettenden Handgriffe im Notfall sofort abrufbar sind und leicht von der Hand gehen", ergänzt Johanniter-Chefärztin Gabriele Lerche. (APA, red, 8.9.2016)

  • Wer bei einem Notfall hilft, tut das in erster Linie mit dem Telefon. Andere aktive Versorgungsmaßnahmen werden eher selten getroffen.
    grafik: apa

    Wer bei einem Notfall hilft, tut das in erster Linie mit dem Telefon. Andere aktive Versorgungsmaßnahmen werden eher selten getroffen.

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