Airpods in ersten Tests: Apples kabellose Kopfhörer zwischen "Genie" und "Desaster"

8. September 2016, 11:03
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Dem hohen Preis und seltsamen Design steht eine nahtlose Integration in die Apple-Welt gegenüber

Nun hat auch Apple kabellose Kopfhörer. Bei der Präsentation des iPhone 7 am Mittwochabend hat das Unternehmen seine neuen Airpods vorgestellt. Das Design und der hohe Preis lassen erste Tester im Zwiespalt zurück.

Wie normale Apple-Kopfhörer ohne Kabel

Während etwa Samsung mit seinen Gear IconX quasi einen Knopf ins Ohr setzt, sehen die Airpods wie die normalen Apple-Kopfhörer aus, bei denen das Kabel abgeschnitten wurde. Der längliche Teil ragt weit aus dem Ohr heraus. Den "Guardian" erinnert das in einem etwas geschmacklosen Vergleich an "Tampons ohne Band". Auf Twitter hat sich schnell die größte Befürchtung der Nutzer bei dieser Art kabelloser Kopfhörer herauskristallisiert: die einzelnen Kopfhörer schnell zu verlieren.

Ob sie einer Person passen, ist natürlich individuell. Der Tester von "The Verge" befand, dass die Airpods einen etwas besseren Tragekomfort aufweisen als Apples normale Earpods. "Mashable" berichtet das Gegenteil, die Airpods würden nicht gut sitzen und seien schon nach kürzester Tragezeit aus einem Ohr herausgefallen. Was sich vor allem bei sportlichen Aktivtäten als Problem herausstellen könnte: die Oberfläche der Airpods ist wie die der normalen Earpods glatt und nicht gummiert, was ein Herausrutschen eher verhindert.

Hülle zum Aufbewahren und Laden

Für den Transport und zur Aufbewahrung gibt es eine Hülle, die gleichzeitig auch zum Aufladen der Airpods dient. Laut Apple sollen die Kopfhörer alleine bis zu fünf Stunden Laufzeit bieten. Mit dem Akku im Ladecase soll die Hördauer über 24 Stunden betragen. Die Hülle selbst wird über einen Lightning-Anschluss geladen. Zudem dient sie auch zum Verbinden der Kopfhörer mit Apple-Geräten.

Es reicht, den Deckel in der Nähe des iPhones aufzuklappen und mit dem Finger darauf zu tippen. Die Tester berichten, dass das mit wenigen Ausnahmen unmittelbar funktioniert. Die Airpods werden für alle im iCloud-Konto eines Nutzers angemeldeten Geräte eingerichtet. Sie funktionieren mit iOS 10 ab dem iPhone 5 bzw. iPad Mini 2, Apple Watch ab watchOS 3 und Macs mit macOS Sierra.

Zu den Spezifikationen des Übertragungsprotokolls hat Apple keine Angaben gemacht. Zuvor war vermutet worden, dass der Konzern eine proprietäre Technologie anstatt Bluetooth einsetzt, die zunächst nur im iPhone 7 und der Apple Watch 2 verbaut sein wird. Das ist nicht der Fall. Allerdings öffnet Apple die Airpods nicht für andere Plattformen – sie funktionieren nach Angaben des Konzerns nur mit den eigenen Geräten.

Sensoren und Siri

Die Musikwiedergabe ist nur möglich, wenn man die Kopfhörer im Ohr trägt. Dazu hat Apple die Airpods mit optische Sensoren und Beschleunigungssensoren und dem neuen W1-Chip ausgestattet. So wird erkannt, ob sich die Geräte im Ohr befinden. Nimmt man die Airpods heraus, pausiert die Musik automatisch. Bei einem Anruf kann man einen Stöpsel entfernen, nach Beendigung des Telefonats wird die Musikwiedergabe wieder automatisch fortgesetzt.

Wenn man die Kopfhörer doppelt antippt, wird die Sprachassistentin Siri aktiviert. Darüber kann man Musik auswählen, die Lautstärke regeln, die verbleibende Akkulaufzeit abfragen und andere Aufgaben erledigen, die mit Siri möglich sind. Durch zusätzliche Beschleunigungssensoren soll erkannt werden, wenn Nutzer sprechen. Dabei werden zwei Mikrofone aktiviert, die externe Geräusche herausfiltern sollen.

Die Sprachqualität konnten die Tester ob des starken Lärms in der Hallo für die Demos nicht beurteilen. Und auch zur Klangqualität konnten die Tester noch kein eindeutiges Fazit ziehen. Die Airpods sollen gut klingen, allerdings konnte das im Trubel des Events noch nicht ausreichend getestet werden. Lob gibt es jedenfalls für die nahtlose Integration mit anderen Apple-Geräten.

Hoher Preis

Die größte Hürde für den Durchbruch der Airpods könnte der Preis darstellen. Im normalen Lieferumfang des iPhone 7 und 7 Plus sind die herkömmlichen Earpods enthalten, die nun via Lightning-Anschluss angesteckt werden. Wie berichtet verzichtet Apple auf die klassische Kopfhörerbuchse. Die Airpods sind ein zusätzliches Accessoire, für das man (ab Oktober) 179 Euro ausgeben müsste. Vor allem das Risiko, die kleinen Stöpsel zu verlieren, könnte bei so einem hohen Preis abschreckend wirken. Ob die Airpods "genial oder ein totales Desaster" sind, ist man sich bei "Mashable" daher noch nicht ganz sicher. Erst ausführlichere Tests müssen zeigen, ob sie den hohen Preis Wert sind. (br, 8.9.2016)

  • Die neuen Airpods mit Ladehülle neben dem iPhone 7.
    foto: reuters/beck diefenbach

    Die neuen Airpods mit Ladehülle neben dem iPhone 7.

  • Apple hat viel Technik in die Kopfhörer gesteckt – was sich auch im hohen Preis niederschlägt.
    foto: apa/afp/josh edelson

    Apple hat viel Technik in die Kopfhörer gesteckt – was sich auch im hohen Preis niederschlägt.

  • Nutzer befürchten, dass die teuren Kopfhörer aus dem Ohr heraustuschen und verlorengehen könnten.
    foto: apa/afp/josh edelson

    Nutzer befürchten, dass die teuren Kopfhörer aus dem Ohr heraustuschen und verlorengehen könnten.

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