Roms Bürgermeisterin will trotz Entzauberung weitermachen

8. September 2016, 10:53
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Populistische Fünf-Sterne-Bewegung nach Rücktritten in Rom in der Kritik

Rom – Die im Juni gewählte römische Bürgermeisterin Virginia Raggi will trotz der schweren politischen Turbulenzen weitermachen. Am Mittwochabend verteidigte sie ihre Umweltbeauftragte Paola Muraro, die eigentlich die Müllentsorgungsprobleme in der Ewigen Stadt lösen soll, gegen die jedoch wegen Amtsmissbrauch und Verstoß gegen Umweltgesetze ermittelt wird.

Muraro werde im Amt bleiben, solange die Vorwürde der Staatsanwaltschaft gegen sie nicht bewiesen seien, so Raggi am Mittwochabend in Rom. Rückendeckung erhielt die Bürgermeisterin auch vom Parteigründer ihrer Fünf-Sterne-Bewegung Beppe Grillo. Der Starkomiker verglich Raggi mit dem ersten schwarzen Bürgermeister in Mississippi 1968. "Raggi muss ein korruptes System beseitigen, das seit 50 Jahren Rom regiert. Es ist logisch, dass sie mit Widerständen konfrontiert ist. Wir werden sie verteidigen", erklärte Grillo am Mittwochabend.

Großer Druck

Die 38-jährige Raggi, die als erste Frau in das Rathaus von Rom einzog, steht seit dem Rücktritt fünf ihrer wichtigsten Mitarbeiter unter großem Druck. Hinzu kommen die Ermittlungen gegen ihre Umweltbeauftragte. Die Vorwürfe gegen Muraro beziehen sich auf die Zeit ihrer Beratungstätigkeit für die städtische Müllentsorgungsgesellschaft AMA.

Die Bürgermeisterin steht in der Kritik, weil sie bereits seit Juli über die laufenden Ermittlungen gegen Muraro Bescheid wusste, die Öffentlichkeit jedoch nicht informiert hatte. Das wird Raggi besonders stark angekreidet, weil die Politikerin der populistischen Fünf Sterne-Bewegung die Wahl mit der vehementen Forderung für mehr Transparenz und Ehrlichkeit gewonnen hatte.

Die politischen Gegner Raggis nützen die Probleme der Grillo-Partei unterdessen aus. "Die Fünf-Sterne-Bewegung hat den Crash-Test in Rom nicht bestanden", frohlockte Innenminister Angelino Alfano, Chef der rechtskonservativen Regierungspartei NCD.

Indes klagen die Römer über sinkende Lebensqualität in der italienischen Hauptstadt. Laut einer Umfrage des Statistikamt Eurostat sind die Römer zusammen mit den Einwohnern Athens diejenigen, die europaweit mit dem Leben in ihrer Hauptstadt am meisten unzufrieden sind. Die 3,5 Millionen-Hauptstadt leider unter chronischen Problemen bei der Müllentsorgung sowie beim Nahverkehr. (APA, 8.9.2016)

  • Virginia Raggi vor Turbulenzen.
    foto: reuters

    Virginia Raggi vor Turbulenzen.

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