Via Zeitungsannonce zu den Paralympics

8. September 2016, 10:52
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Zwei Herren suchten zwei Frauen. Und jetzt rudert ein Quartett in Rio. Maria Dorn sitzt mitten im Boot, erst vor zwei Jahren begann die Musiklehrerin mit dem Rudern

Rio – Zwei Ziele nennt Maria Dorn: bei den Paralympics, die gestern feierlich eröffnet wurden, gemeinsam mit ihren Kollegen Werbung für das Para-Rudern zu machen. Und zu zeigen, dass man in kurzer Zeit sehr weit kommen könne. Eine Medaille wäre vermessen. Schon der Einzug ins A-Finale der besten sechs sei unrealistisch. "Die Konkurrenz", sagt Dorn, "ist wortwörtlich sehr groß." Im Rudern ist die Hebelwirkung sehr wichtig. "Wir sind körperlich nicht die größte Mannschaft." Zudem sind die Medaillenanwärter Profis. "Wir gehen alle normal arbeiten."

Dorn (37) aus Wieselburg ist Musikschullehrerin, mit Benjamin Strasser (26), einem technischen Zeichner aus Gmunden, sitzt sie in der Mitte des Bootes. Thomas Ebner (20), Student aus Altmünster (Oberösterreich) ist der Schlagmann, Gerheid Pahl (41), Notärztin, ebenfalls aus Altmünster, sitzt am Bug. Und Erika Buchinger ist die Steuerfrau. "Es hat sich keine andere gefunden", sagt die Oberösterreicherin.

Am Anfang war ein Zeitungsartikel. 2014 suchten Strasser und Rainer Putz Mitruderinnen. In ihrer Klasse ist nur ein Boot paralympisch, ein Mixed-Vierer mit Steuermann oder Steuerfrau. Strasser sagt: "Ich hätte nicht gedacht, dass sich jemand meldet." Dorn meldete sich. "Den Artikel hat mir eine Freundin zugeschickt. Ich habe mir gedacht: Okay, warum nicht was Neues ausprobieren?" Pahl war schon länger im Verein, kam aber auch über den Artikel ins Boot. Und Ebner, der erst vor einem Jahr mit dem Rudern begonnen hatte, qualifizierte sich über Besetzungsrennen. Putz rudert mittlerweile in einem nichtparalympischen Zweier.

Sturz beim Bergsport

Gerudert hatte Dorn bis dahin nicht. Früher machte sie viel Bergsport. "Das geht jetzt nicht mehr." Seit 2012. Da stürzte sie beim Abstieg vom Großglockner. Dorn brach sich den Unterschenkel. Im Krankenhaus gab es Komplikationen. Sie hat einen doppelten Nervenschaden. Peroneus- und Tibialis-Teillähmung ist der Fachbegriff für ihre Behinderung. Strasser hat auch eine Peroneuslähmung. "Mein linker Vorderfuß kippt nach unten."

Das Quintett hat sich so gut wie möglich vorbereitet. Man trifft sich, wann immer es geht, zum gemeinsamen Training. "Es ist ein bisschen schwierig, ich bin in Niederösterreich, die anderen sind in Oberösterreich." Und das Boot liegt in Ottensheim bei Linz. Jetzt liegt es natürlich in Rio, in der Lagoa Rodrigo de Freitas. Über die nicht überragende Wasserqualität wurde schon während der Olympischen Spiele viel geredet. Dorn sagt: "Es ist ein schlechteres Donauwasser. Schwimmen würde ich nicht drin, aber bei den Seglern ist es sicher schlimmer als bei uns. Bei uns hupfen sogar die Fische durch die Gegend."

Zum Rudern findet sie das Wasser recht gut. Allerdings übte das Quintett bisher nur wenig vor Ort. Schlagmann Ebner hat sich eine starke Verkühlung zugezogen. Morgen steigt der Vorlauf. Man hofft das Beste. Im Rudern hat Dorn eine neue Leidenschaft gefunden. "Der Reiz am Sport", sagt sie, "ist, dass man nie fertig ist. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die man jederzeit verbessern kann."

"Ein Rennen ist wie ein Konzert"

Dorn ist ein kreativer Mensch. An ihren Armen trägt sie abstrakte Tattoos. Und über ihren Sport sagt sie: "Man kann beim Rudern sehr kreativ arbeiten. Wenn ein Kollege einen Fehler macht, habe ich die Chance, ihn auszugleichen." Das Wort Fehler mag Dorn eigentlich nicht. "Aus denselben Buchstaben kann man das Wort Helfer bilden." Das Rudertraining vergleicht sie mit dem Üben an Instrumenten. Dorn hat Querflöte und Blockflöte studiert. "Ich bin es gewohnt, zwei Stunden am Tag zu üben." Das sei nichts anderes, als zu trainieren.

"Ein Rennen", sagt Dorn, "ist für mich wie ein Konzert. Da übe ich auch ein halbes Jahr dran. Und in dreieinhalb Minuten ist es hoffentlich vorbei." Und was passiert, wenn Rio vorbei ist? "Dann müssen wir schauen." Die WM 2017 steigt jedenfalls in Florida. (Birgit Riezinger, 8.9.0216)

Hinweis

Die Reise erfolgte teilweise auf Einladung des ÖPC.

  • Wenn man Zeitung liest, findet man zueinander. Maria Dorn (Zweite von links) mag das Wort Fehler überhaupt nicht.
    foto: gepa/öpc

    Wenn man Zeitung liest, findet man zueinander. Maria Dorn (Zweite von links) mag das Wort Fehler überhaupt nicht.

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