Startenor Johan Botha gestorben

8. September 2016, 12:12
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Erlag 51-jährig einer schweren Erkrankung

Wien – Ein Leben für die Bühne: Johan Botha hat es auf besonders konsequente Weise geführt. Und sein Ziel schien von Anfang an klar. Geboren 1965 in Rustenburg (Südafrika), wuchs er auf der Farm seiner Großeltern auf. Der Vater hörte dank Eigenstromversorgung Opernplatten, und so wusste schon der Fünfjährige, dass er Sänger werden wollte.

In frühen Jahren war er Bassbariton, entwickelte seine Höhe erst während des Studiums in Pretoria, kam nach seinem Debüt in Webers "Freischütz" 1989 in Roodepoort ein Jahr später als Chorist zu den Bayreuther Festspielen – um schließlich als Jahrhunderttenor entdeckt zu werden, der Werke von Beethoven über das italienische Repertoire bis zu Wagner und Strauss abdeckte.

Heldisch strahlende Stimme

Mit seiner typischen darstellerischen Zurückhaltung verkörperte er einen ganz auf die Musik konzentrierten und damit fast schon anachronistischen Sängertypus, der mit seiner heldisch strahlenden, ungewöhnlich robusten und vollen Stimme zu einer einzigartigen Erscheinung wurde.

Über Stationen in Hagen, Dortmund und Bonn gelangte er an alle großen Opernhäuser in Mailand, London, Paris, New York, Chicago, Los Angeles, Berlin, Dresden, München und Hamburg, zu den Salzburger Festspielen sowie an die Wiener Staatsoper, der er seit seinem Debüt in Puccinis "Tosca" 1996 eng verbunden war.

222 Vorstellungen sang er in den nächsten zwei Jahrzehnten hier, darunter acht Premieren und 22 verschiedene Partien. 2003 wurde er zum Österreichischen Kammersänger ernannt, noch heuer zum Ehrenmitglied der Staatsoper.

Neben seinen internationalen Verpflichtungen – 2010 debütierte er etwa im "Ring" in Bayreuth – war hier nicht nur seine künstlerische Heimat. Mit seiner Frau und den zwei Söhnen lebte er auch in Wien, wo man ihn häufig bei Plachutta oder im Café Mozart antreffen konnte, während er die große Öffentlichkeit ansonsten eher mied.

"Ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich singen und auf der Bühne stehen kann", sagte er dem STANDARD bei einem seiner seltenen Interviews im Vorjahr, bei dem er für ein Benefizkonzert für ein Kinderkrankenhaus in Johannesburg warb.

Dass er unlängst viele Auftritte absagen musste, so Puccinis "Turandot" an der Staatsoper in der vergangenen Saison, war einer schweren Erkrankung geschuldet, die im Sommer bereits überwunden schien.

Im August konnte Botha noch seine Eltern in Rustenburg besuchen und war voller Pläne. 2017 sollte er in Berlin Wagners "Tristan" singen. Am Donnerstag starb er in seiner Wahlheimatstadt Wien. (Daniel Ender, 8.9.2016)

  • Startenor Johan Botha ist 51-jährig gestorben.
    foto: matthias cremer

    Startenor Johan Botha ist 51-jährig gestorben.

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