Formel-1-Verkauf fix: Mr. Ecclestones größter Deal

8. September 2016, 00:09
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US-Gruppe Liberty Media neuer Besitzer, Serie mit rund acht Milliarden Dollar bewertet. 2001 erwarb Bernie Ecclestone die Vermarktungsrechte um 360 Millionen Dollar

Der Start in eine neue Zeitrechnung – und das ist keine große Überraschung – kommt ohne sein altes Gesicht nicht aus. "Es macht keinen Unterschied zu dem, was ich vorher gemacht habe. Ich habe nun halt ein bisschen Hilfe", sagte Bernie Ecclestone der Zeitung The Telegraph, als das Gerücht, dass die Formel 1 einen neuen Hauptgesellschafter bekomme, vor lauter neuer Nahrung schon zu platzen drohte. Tatsächlich soll der bald 86-jährige Brite auf Wunsch des angehenden Mehrheitseigners Liberty Media für drei weitere Jahre an Bord bleiben und Chase Carey (62), den designierten Vorsitzenden der F1-Dachgesellschaft Delta Topco, in die Geheimnisse des Zirkus einweihen.

Wie lange sich die ehemalige rechte Hand des Medientycoons Rupert Murdoch vom kleinen Mann aus Ipswich gängeln lässt, ist die Frage. Sportfanatiker Carey gilt als besonders durchtriebener Manager, entspricht jetzt aber den Wünschen seines Auftraggebers, den Wünschen des Milliardärs John Malone. Dessen Unternehmen Liberty Media soll – vorbehaltlich der Zustimmung des Automobilweltverbands (Fia), dem die sportliche Aufsicht obliegt, des europäischen Kartellamtes sowie der eigenen Hauptaktionäre – noch vor Ende des ersten Quartals 2017 die 35,5 Prozent der Anteile vom bisherigen Hauptanteilseigner CVC Capital Partners übernehmen. Das Luxemburger Finanzunternehmen lukriert an die 4,4 Milliarden. Zudem deckt Liberty Media Schulden in Höhe von rund 3,6 Milliarden ab.

Fifa eingesteckt

CVC hielt Anteile in wechselndem Ausmaß seit 2006 und hat insgesamt rund 860 Millionen investiert. Verdient mit der Königsklasse des Motorsports sollen die Luxemburger seither rund vier Milliarden haben. Laut US-Magazin Forbes soll die Formel 1 in diesem Jahrtausend 15 Milliarden Dollar Gewinn gemacht haben – damit steckt sie etwa den Fußballweltverband Fifa locker ein.

Die Gelddruckmaschine hat Ecclestone selbst angeworfen. 2001 machte er das Geschäft seines Lebens, als er dem Automobilweltverband (Fia) die Vermarktungsrechte an der Formel 1 für hundert Jahre (ab 2011) um 360 Millionen Dollar abkaufte. Inzwischen wurde aus einer kleinen Quetsche für Rennsportenthusiasten und -abenteurer ein Unterhaltungskoloss geformt – mit allen Mitteln, aber zuletzt, da Ecclestone nur noch als Geschäftsführer wirkte, der persönlich etwas mehr als fünf Prozent der Rechte hält, nicht mehr unbedingt mit Methoden, die auf der Höhe der Zeit sind.

Musik in den Ohren

Große Teile der Gewinne entstammen den Pflichtabgaben der Streckenbetreiber, die diese kaum mehr verdienen können. Eine Traditionsstrecke wie der Nürburgring kapitulierte bereits vor fünf Jahren. Hockenheim oder Monza kämpfen wegen ständig steigender Kosten – auch durch Investitionen in die Sicherheit – permanent ums Überleben. Ecclestone schert das wenig, er hat genug andere Veranstaltungswillige an der Hand, die zu zahlen bereit sind – ob es nun ein Unternehmer wie Dietrich Mateschitz ist, die Chefs einer Demokratur wie Aserbaidschan oder gleich Monarchen wie die Herren über Bahrain oder die Vereinigten Arabischen Emirate.

Auch für viele Rennställe wurde die Serie zu teuer. Neben den Riesen wie Mercedes, Red Bull Racing und Ferrari drohen Teams wie Sauber zu verhungern, weil sie im Rüstungswettlauf nicht mithalten können, ohne Erfolge aber nicht genug Geld für ihr Überleben lukrieren können.

Für klamme Streckenbetreiber ist es wie Musik in den Ohren, dass Liberty Media Traditionen pflegen will, um die ramponierte Marke wieder zu stärken, also vor allem dort Rennen sehen will, wo das Interesse am Motorsport eben am größten ist – in Europa, Teilen Asiens, Südamerika und nicht zuletzt im Heimmarkt USA.

Zuckerlverteilen

Zudem ist anzunehmen, dass es ganz nach dem Vorbild der US-Profiligen mehr Geld für die kleineren Fische geben wird, ohne die die Großen auch im schönsten Teich eben nicht überleben können. Den großen drei wurde dafür die Möglichkeit in Aussicht gestellt, Anteile an der Formel 1 zu erwerben. Bisher ist das dem Vernehmen nach an zu hohen Forderungen von CVC gescheitert.

Tatsächlich neue Zeiten sollen unter Liberty Media in puncto neue Medien anbrechen. Für die Vermarktung glaubte Ecclestone bisher weitgehend ohne Internet und soziale Medien wie Twitter und Facebook auszukommen. Er sehe darin keinen Wert, sagte der seit dem Jahr 2000 stolze Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich einmal. (sid, lü, 8.9.2016)

  • Bernie Ecclestone bleibt auch nach der Übernahme durch Liberty Media ein Gesicht der Formel 1: "Ich habe nun halt ein bisschen Hilfe."
    foto: reuters/dalder

    Bernie Ecclestone bleibt auch nach der Übernahme durch Liberty Media ein Gesicht der Formel 1: "Ich habe nun halt ein bisschen Hilfe."

  • Die Eigentümer der Formel 1.
    foto: grafik

    Die Eigentümer der Formel 1.

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