Wie Kreditnehmer die Nebenkosten tief halten können

8. September 2016, 16:17
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Das Zinstief ist gut für Kreditnehmer. Auf der Suche nach Kredit gibt es jedoch viele Zusatzkosten

Wien – Das niedrige Zinsumfeld führt dazu, dass immer mehr Menschen auf reale Werte setzen – etwa eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollen. Auch als Vorsorge für die Pension, in der hohe Mieten wohl schwer zu bezahlen sind, wird gern auf Eigentum gesetzt. Ohne Kredit ist es für Otto Normalverbraucher aber meist kaum möglich, ein Wohneigentum anzuschaffen.

Egal für welchen Zweck Kunden von ihrer Bank Geld begehren – es gilt, bei einem Kredit nicht nur die ausgeliehene Summe und die dafür verlangten Zinsen zu bedenken. Auch bei Ausleihungen fallen Nebenkosten an, und es lauern Stolpersteine – etwa bei den verlangten Sicherheiten. Es gibt aber auch Optimierungspotenzial, über das Kunden oft noch immer zu wenig Bescheid wissen. Sich hier zu informieren lohnt, denn die Kostenunterschiede etwa bei neuen Wohnkrediten sind enorm.

Bei einem Vergleich bei sieben Wiener Banken durch die Arbeiterkammer hat sich zuletzt gezeigt, dass Kunden bei einem 200.000-Euro-Kredit mit einer Laufzeit von 25 Jahren bis zu rund 20.000 Euro sparen können. Neben dem Verhandlungsgeschick kommt es hier freilich auch auf die Bonität an.

Frage der Bonität

So ist zum Beispiel der Zinsaufschlag (zum Euribor; auch Marge genannt) bei variabel verzinsten Krediten ein Punkt, bei dem verhandelt werden kann. Über die Höhe des Zinsaufschlags entscheidet aber letztlich auch die Bonität des Kunden mit. Es gilt der Grundsatz: Je besser die Bonität, desto günstiger der Zinsaufschlag. Die variablen Zinsen liegen bei "ausreichender" Bonität laut AK zwischen 1,375 und 2,125 Prozent – bei "bester" Bonität zwischen 1,125 bis 1,5 Prozent. Das zeigt, welcher Spielraum hier vorhanden ist. Bei fix verzinsten Krediten liegt die Bandbreite bei "bester" Bonität zwischen 1,375 und 2,375 Prozent und bei "ausreichender" Bonität zwischen 1,625 und 2,75 Prozent.

Wichtig ist laut Christian Prantner, Finanzexperte bei der AK-Wien, auch darauf zu achten, ob die Bank einen negativen Referenzzinssatz weitergibt. Hier haben viele Banken aber bereits reagiert und ihre Bedingungen dahin abgeändert, sodass Privatkunden von einem Negativzins derzeit nicht profitieren können.

Für jede Dienstleistung – so auch beim Kreditantrag – fällt eine Bearbeitungsgebühr an. Diese liegt in der Bandbreite von einem bis zwei Prozent. Das klingt nach nicht sehr viel. Aber bei zwei Prozent Bearbeitungsgebühr für einen Kredit von 200.000 fallen hier 4000 Euro Extrakosten an.

Geht es beim Kredit um den Erwerb eines Wohneigentums, kommen auch die Schätzkosten hinzu, die die Bank für die Immobilie anstellt. Diese machen in der Regel mehrere hundert Euro aus. Auch hier ortet die AK Verhandlungspotenzial, ebenso bei der Kontoführungsgebühr, die pro Quartal anfällt und auch bis zu 20 Euro ausmachen kann. Auch bei der Höhe des eingetragenen Pfandrechts der Bank im Grundbuch sieht Prantner Spielraum.

Genügend Zeit nehmen

"Die Kunden sind sensibel geworden und verhandeln mehr als früher", fasst Prantner zusammen. Auch würden Kunden heute öfter ihre Kreditangebote von Experten prüfen lassen. Denn in den vergangenen Jahren sind – wie in einigen anderen Bereichen – viele Klauseln dazugekommen bzw. waren viele Vertragsbestandteile strittig, etwa die Zinsgleitklausel.

"Zeit ist oft der größte Killer bei Krediten", warnt Prantner und rät, sich für einen Kredit ausreichend Zeit zu nehmen und bei mehreren Banken Angebote einzuholen. Das zeige auch, in welchen Bereichen Kunden mit mittlerer Bonität eventuell Spielraum finden. Seit März müssen die Institute dem Kunden standardisierte Musterofferte vorlegen, in denen genaue Angaben über Laufzeit, laufende sowie Einmalkosten, Zinsanpassungen etc. zusammengefasst sind. "Damit werden die Angebote für Konsumenten leichter zu vergleichen", sagt der Experte.

Aufpassen muss man auch bei der Absicherung des Kredits. "Oft kommen Banken erst bei der Vertragsunterzeichnung zu diesem Punkt", sagt Prantner. Dann wollen die Institute Versicherungspakete verkaufen – um neben der Marge auch im Provisionsgeschäft etwas zu verdienen. Oft wollen Banken hier auch zusätzliche Risiken (etwa die Berufsunfähigkeit oder die Arbeitslosigkeit) mit absichern. Zu überlegen ist, ob diese Zusatzversicherungen wirklich erforderlich sind oder, ob man in diesem Bereich nicht schon vorgesorgt hat, denn auch die Prämien für diese Versicherungen kosten Geld und sollten mitbedacht werden. Geprüft werden sollte, ob bestehende Lebensversicherungen eingebracht werden können. (Bettina Pfluger, 8.9.2016)

  • Neben Obacht auf der Baustelle für das Eigenheim muss auch beim Kredit aufgepasst werden. Nebenkosten bleiben oft unberücksichtigt.
    foto: dpa/armin weigel

    Neben Obacht auf der Baustelle für das Eigenheim muss auch beim Kredit aufgepasst werden. Nebenkosten bleiben oft unberücksichtigt.

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