Salafistenprediger drohen in Deutschland 15 Jahre Haft

7. September 2016, 18:03
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Er war Katholik und bei der Feuerwehr. Dann konvertierte Sven Lau zum Islam, stieg zum Prediger auf und organisierte die "Scharia-Polizei"

Viel Hoffnung, dass Sven Lau ab kommender Woche im Oberlandesgericht Düsseldorfer selbst zur Aufklärung beitragen wird, brauchen sich Bundesanwaltschaft und Gericht nicht machen. Der 35-Jährige werde sich "schweigend verteidigen", hat sein Anwalt Mutlu Günal erklärt. Damit war der erste Prozesstag diese Woche auch schon rasch wieder beendet.

Doch die Bundesanwälte sind sich sicher, das Gericht auch ohne Aussagen von Lau überzeugen zu können, dass es sich bei dem Mönchengladbacher (Nordrhein-Westfalen) um einen gefährlichen Mann handelt. Sie werfen ihm Unterstützung einer ausländischen Terrorvereinigung vor. Er soll im Jahr 2013 von Deutschland aus als "verlängerter Arm" einer in Syrien aktiven Islamistengruppe agiert haben. Bei einer Verurteilung drohen 15 Jahre Haft.

Stimme des Kumpels

Auch wenn Lau nicht spricht, er verschafft sich Gehör – zumindest außerhalb des Gerichtssaales. Dort tritt sein Kumpel, der Islamist Bernhard Falk, auf und redet für ihn. "Es geht um Solidarität für Bruder Abu Adam-Sven Lau", sagt er und beklagt, dass hier in einem "politischen Prozess" ein "emphatischer Prediger diffamiert wird, der sich menschlich in Syrien engagiert" und etwa um Blutspenden gebeten habe.

Lau stammt aus einem katholischen Elternhaus, die Familie war intakt. Er machte zunächst eine Lehre als Industriemechaniker, leistet auch den Wehrdienst. In dieser Zeit lernt er einen türkischen Kollegen kennen, der ihn für den Islam begeistert. In seiner Heimat Mönchengladbach wird er bei der Berufsfeuerwehr als Beamter auf Probe angestellt. Doch Lau hält nicht lange durch, dann widmet er sich ganz dem Gebet und seinen Predigten.

"Einladung zum Paradies"

Er nennt sich "Abu Adam" und gründet den mittlerweile aufgelösten Verein "Einladung zum Paradies", dem das Bundesinnenministerium bescheinigte, er habe zum Ziel, die verfassungsmäßige Ordnung "zugunsten eines islamischen Gottesstaates in Deutschland" beseitigen zu wollen.

Später, so ist die Bundesanwaltschaft überzeugt, als er deutschlandweit schon als eloquenter Prediger in der radikalislamischen Salafistenszene bekannt war, sei Lau noch viel weiter gegangen. "Er ist hinreichend verdächtig, 2013 von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terrororganisation "Jaish al-muhajirin wa-l-ansar" (übersetzt: Armee der Auswanderer und Helfer) agiert zu haben. Ihm wird daher zur Last gelegt, in vier Fällen eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt zu haben", heißt es in der Anklageschrift.

Der von Lau unterstützte Flügel der Gruppe soll sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen haben. Lau sei in Deutschland "eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige" vor allem aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf gewesen. Laut Staatsanwalt war Lau eine "der bestimmenden und richtungsweisenden Figuren der salafistischen Szene".

Reise nach Syrien

Zudem soll der Konvertit im Spätsommer 2013 zwei Jihadisten an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa vermittelt haben. Ende September 2013 soll Lau selbst nach Syrien gereist sein. Bundesweite Bekanntheit erlangte Lau in Deutschland 2014. Da zog er mit Mitstreitern durch Wuppertal und wetterte gegen den westlichen Lebensstil und rief zur Einhaltung islamischer Vorschriften auf. Die Männer trugen orange Jacken mit der Aufschrift "Shariah Police".

Laus Anwalt hält die Anklageschrift für einen "juristischen Amoklauf". Die Bundesanwaltschaft stützt sich auf Ismael I., einen mutmaßlichen Rekruten von Lau, der den fünffachen Vater Lau schwer belastet. Er ist bereits in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. (Birgit Baumann aus Berlin, 7.9.2016)

  • Gruß an die Anhänger: Der Prozess gegen Lau findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt.
    foto: apa / dpa / federico gambarini

    Gruß an die Anhänger: Der Prozess gegen Lau findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt.

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