Erreger der Justinianischen Pest bei Skelett aus Bayern gefunden

10. September 2016, 13:00
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Deutsche Forscher auf den Spuren einer Krankheit, die sich im 6. Jahrhundert in katastrophalem Ausmaß ausbreitete

Jena – Die Justinianische Pest, benannt nach dem oströmischen Kaiser aus der Mitte des 6. Jahrhunderts, war eine verheerende Epidemie, die weite Teile des Mittelmeerraums heimsuchte und bis nach Nordwesteuropa und in den Iran reichte. Schätzungen von Historikern zufolge tötete sie bis zu 50 Millionen Menschen und trug möglicherweise ihren Teil zu politischen Umwälzungen bei: So wird sie mit dem beginnenden Rückzug des Oströmischen Reichs und der arabischen Invasion in seinen ehemaligen Herrschaftsgebieten in Verbindung gebracht.

Wellen des Todes

Bis heute sind die geographische Ausbreitung, die tatsächliche Zahl an Toten und die Folgen der Justinianischen Pandemie aber nicht gänzlich geklärt, berichtet das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Nach ihrem katastrophalen ersten Durchzug lebte sie in einigen Wellen bis ins 8. Jahrhundert immer wieder auf, danach scheint sie verschwunden zu sein.

Da die "Schwarzer Tod" genannte Pandemie die Pest erst im 14. Jahrhundert wieder nach Europa zurück brachte, war von manchen Forschern bezweifelt worden, dass es sich bei der Justinianischen Pest tatsächlich um die vom Bakterium Yersinia pestis ausgelöste Krankheit gehandelt hatte. Neuere archäogenetische Studien haben jedoch gezeigt, dass für beide Pest-Pandemien der gleiche Erreger verantwortlich war.

Neue Daten

Einem Forschungsteam um Johannes Krause und Michal Feldman vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Michaela Harbeck von der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München ist es nun erstmals gelungen, die gesamte DNA des Bakteriums aus einem menschlichen Skelett aus dem 6. Jahrhundert zu gewinnen. Die betreffende Person war im bayrischen Altenerding früh zum Opfer der Pest geworden, das gewonnene Genom datiert aus dem Anfangsstadium der Pandemie.

Bei dem Opfer handelte es sich um einen jungen Mann, der mit einer jungen Frau in einem gemeinsamen Grab bestattet wurde, weshalb die Vermutung nahe lag, dass sie Opfer einer schnell tötenden Infektionskrankheit wurden. Nach der Untersuchung herrscht Gewissheit, dass sie der Pest zum Opfer fielen. "Altenerding ist neben dem nur wenige Kilometer entfernten Gräberfeld Aschheim nun erst der weltweit zweite Fundplatz, auf dem der Erreger der Justinianischen Pest eindeutig nachgewiesen werden konnte", sagt Andreas Rott, der zahlreiche Skelette aus Altenerding molekularbiologisch auf Pestspuren überprüfte.

Ein vor kurzem veröffentlichter Entwurf des Genoms der Justinianischen Pest wird durch die neue Sequenz ergänzt und revidiert. "Wir konnten dreißig zusätzliche Mutationen und strukturelle Umlagerungen identifizieren, die einzigartig für den Justinianischen Erregerstamm sind", erklärt Studienleiter Johannes Krause. "Drei davon sind in Genen lokalisiert, die essenziell für die Virulenz, das heißt die krankheitserregende Kraft des Bakteriums sind." Außerdem zeigen die Daten, dass der Erregerstamm genetisch deutlich diverser war als ursprünglich angenommen. (red, 10. 9. 2016)

  • Skelette einer jungen Frau (links) und eines jungen Mannes, die im 6. Jahrhundert der Pest zum Opfer gefallen sein dürften. Zumindest bei ihm ist die Infektion mit dem Erreger gesichert.
    foto: staatssammlung für anthropologie und paläoanatomie münchen

    Skelette einer jungen Frau (links) und eines jungen Mannes, die im 6. Jahrhundert der Pest zum Opfer gefallen sein dürften. Zumindest bei ihm ist die Infektion mit dem Erreger gesichert.

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