Forschung unter besten Freunden: Das Haustier-Abc der Wissenschaft

Ansichtssache9. September 2016, 05:30
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Wie gähnen Wellensittiche? Welche Musik mögen Katzen? Sind Hunde Optimisten? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die relativ junge, aber boomende Disziplin der Haustierforschung. Was man über Ihr Tier weiß, im Überblick von A bis Z

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foto: picturedesk/mary evans/jean-michel labat

Anfang der Forschung: Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet jene Tiere so lange von der Wissenschaft vernachlässigt wurden, die dem Menschen am nächsten stehen. Denn in der traditionellen Biologie galten Haustiere als degenerierte, unnatürliche Formen von Wildtieren, deren Studium folglich weniger interessant erschien. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das gründlich geändert, die Haustierforschung ist seither regelrecht explodiert. Zwei Tierarten finden sich besonders häufig in den Fachjournalen: Hunde und Katzen.

Beginn einer Freundschaft: Wann und wo genau Menschen und Wölfe erstmals Partner wurden, ist immer noch Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen. Klar ist: Hunde sind die einzigen Tiere, die schon vor der Sesshaftwerdung des Menschen domestiziert wurden. Genetische Studien der vergangenen Jahre lassen darauf schließen, dass sich Wolfs- und Hundegenom bereits vor 35.000 Jahren im westlichen Eurasien getrennt haben. Die meisten heutigen Hunde gehen allerdings auf eine deutlich spätere Domestizierung in Südostasien zurück.

Chronologie der Hauskatze: Die ältesten Überreste mutmaßlich domestizierter Katzen fand man 2004 auf Zypern, sie werden auf ein Alter von 9500 Jahren datiert. Aus den folgenden Jahrtausenden sind Spuren domestizierter Katzen unter anderem aus Mesopotamien und China bekannt. Zu heiligen Ehren brachten es domestizierte Katzen schließlich vor rund 3600 Jahren im Alten Ägypten. Heute wird ihr weltweiter Bestand auf rund eine Milliarde geschätzt.

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foto: l. miguel bugallo sánchez [cc-by-sa-3.0]

Domestikationssyndrom: Das Leben mit Menschen geht an Tieren nicht spurlos vorüber. Warum Haustiere nicht nur weniger scheu als ihre wilden Artgenossen sind, sondern sich mit kleineren Zähnen und runderem Gesicht auch optisch von diesen unterscheiden, war lange unklar. 2014 erklärten Forscher im Fachblatt "Genetics" das sogenannte Domestikationssyndrom folgendermaßen: Die Effekte könnten ihre Ursache in der frühen Embryonalentwicklung der Tiere haben. Defekte an einer Gruppe von Stammzellen führen dazu, dass weniger Stresshormone produziert werden, zugleich verursachen sie optische Veränderungen.

Einsame Papageien: Von molekularbiologischen Veränderungen sind auch Graupapageien betroffen, etwa wenn sie einsam sind. Die Vögel sind ausgesprochen sozial, weshalb in Österreich ihre Einzelhaltung verboten ist. Forscher der Vetmed-Uni Wien berichteten 2014 in "Plos One", dass längere soziale Isolation eine Verkürzung der Schutzkappen an den Enden der Chromosomen (Telomere) und dadurch eine raschere Zellalterung bewirkt. Einsame Graupapageien altern also schneller als Artgenossen, die mit einem Partner leben.

Folgenreiche Züchtung: An keinem anderen Tier hat der Mensch einen derart auffälligen Fingerabdruck hinterlassen wie am Hund. Doch die fast schon absurde Vielfalt an Hunderassen hat ihren Preis: Wie Forscher der University of California Los Angeles 2015 in "Pnas" aufzeigten, tragen die Vierbeiner durch die vielen Zuchteingriffe des Menschen gehäuft schädliche Genvarianten in sich. Die fortdauernde Selektion auf bestimmte Merkmale begünstigt einen "genetischen Flaschenhals" – also den Verlust genetischer Vielfalt innerhalb von Rassepopulationen. Die Konsequenz ist das häufigere Auftreten bestimmter Erbkrankheiten.

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