Sensationelles Fossil: Echse beim Fressen eines Käfers von Schlange gefressen

11. September 2016, 14:00
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48 Millionen Jahre alter Fund hat zweifache Nahrungsaufnahme und dreifachen Tod verewigt

Frankfurt – Gleich drei Glieder einer Nahrungskette auf einmal hat ein ungewöhnliches Fossil aus der berühmten Grube Messel in Hessen verewigt: Vor 48 Millionen Jahren hat hier eine Schlange eine Echse gefressen, in deren Magen sich wiederum ein Käfer befindet. Der Fund ist für Messel einmalig und auch weltweit gebe es nur ein einziges vergleichbares Fundstück, berichtet das Senckenberg-Forschungsinstitut.

Die Erhaltung von fossilen Nahrungsketten ist extrem selten. Aus der Grube Messel sind aufgrund der exzellenten Konservierung in der Fundstelle bereits Blätter und Trauben aus dem Magen eines Urpferdchens, Pollenkörner im Verdauungstrakt eines Vogels und Insektenreste im fossilen Fischkot bekannt. "Eine dreigliedrige Nahrungskette haben wir aber bisher noch nie entdeckt. Das ist für Messel einmalig!", freut sich der Frankfurter Forscher Krister Smith. Weltweit ist bislang nur ein weiteres Beispiel für solch eine fossile Erhaltung bekannt: bei einem 280 Millionen Jahre alten Hai.

Fenster zu einem verschwundenen Ökosystem

In der Grube wurde einst Ölschiefer abgebaut. Das ist zwar längst eingestellt worden, dafür fördern Paläontologen immer wieder Schieferplatten mit Fossilien aus dem mittleren Eozän, von Insekten über Vögel bis zu Säugetieren. Sie alle stammen aus einer Zeit, als hier ein subtropischer Wald rings um einen See lag. Die Schieferplatte mit der dreigliedrigen Nahrungskette wurde 2009 freigelegt und nun von Senckenberg-Forschern zusammen mit argentinischen Kollegen genau analysiert. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin "Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments" erschienen.

Computertomographische Untersuchungen ermöglichten die Artbestimmung: "Bei dem Schlangenfossil handelt es sich um eine mit den heutigen Boas verwandte Palaeopython fischeri, die Echse gehört zu der bisher ausschließlich in Messel gefundenen Art Geiseltaliellus maarius", so Smith. Die Schlange misst 103 Zentimeter und ist damit wesentlich kleiner als sonstige Exemplare dieser Art, die gut zwei Meter lang werden konnten. Smith geht daher davon aus, dass es sich um ein jugendliches Tier handelt.

A matter of days

Die von der Schlange gefressene Echse ist von Kopf bis Schwanzende etwa 20 Zentimeter lang: Schlangenrippen, die über dem Reptil liegen, zeigen deutlich, dass sich die Echse im Inneren der Schlange befindet. Geiseltaliellus maarius, eine baumbewohnende Art, trug vermutlich einen kleinen Scheitelkamm. Er konnte seinen Schwanz bei Gefahr abtrennen, bei seiner Erbeutung verlor er diesen aber nicht. "Den Käfer konnten wir leider nicht eindeutig bestimmen. Dafür war der Erhaltungszustand zu schlecht", ergänzt der Forscher

Das Fossil ist gleichsam ein Dokument rasch aufeinander folgender Ereignisse: "Da der Mageninhalt relativ schnell verdaut wird und die Echse in einem sehr guten Erhaltungszustand ist, gehen wir davon aus, dass die Schlange nur ein bis zwei Tage nach der Nahrungsaufnahme starb und auf den Boden des Messelsees sank, wo sie dann konserviert wurde", so Smith. (red, 11. 9. 2016)

  • 2009 wurde diese Schieferplatte freigelegt, die sich inzwischen als Sensationsfund entpuppt hat.
    foto: springer heidelberg

    2009 wurde diese Schieferplatte freigelegt, die sich inzwischen als Sensationsfund entpuppt hat.

  • Drei Glieder einer Nahrungskette fanden ein gemeinsames Grab: Im Inneren der Schlange liegt eine Echse (orange hevorgehoben), und in der ein Käfer (blau).
    foto: krister smith

    Drei Glieder einer Nahrungskette fanden ein gemeinsames Grab: Im Inneren der Schlange liegt eine Echse (orange hevorgehoben), und in der ein Käfer (blau).

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