TV-Serie "Halcyon": Virtuell kommt der Tod ganz schnell

13. September 2016, 05:30
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Mord im Jahr 2040 als Serie und Virtual-Reality-Experiment ist ab 22. September via Sky auf Syfy zu sehen

Wien – Sage noch einer, die modernen Zeiten hätten nicht auch ihre guten Seiten: Mit dem Handy lassen sich Menschen zum Verschwinden bringen. Die Vorteile sind unschätzbar: Unliebsame Zeitgenossen ließen sich mit einmal Drüberwischen sauber und problemlos aus dem Sichtbereich entfernen, und keiner tut sich weh.

Vorausgesetzt, es handelt sich um Personen der virtuellen Realität, und hier enden die Aussichten auf eine selbstkontrollierte Zukunft, wie sie in Halcyon ausgemalt wird: Denn die Weggewischten können sich wie Zaubertinte wieder zurückbringen und stehen dann plötzlich mitten im Schlafzimmer. Schön blöd.

Doch das sind Überlegungen am Rande, denn in den 15 Folgen der Science-Fiction-Serie geht es am 22. September via Sky auf Syfy um anderes.

foto: screenshot/syfy

In den Sand gesetzt

Im Jahr 2040 ist virtuelle Realität (VR) Alltag, und mit ihm auch das Verbrechen. Wie vieles hat der Mensch auch diese Technologie in den Sand gesetzt. Mütter bauten sich virtuelle Nannys und ließen ihre Kleinen verkommen, Väter bastelten sich virtuelle Waffen. Schon bei Stanley Kubrick war HAL ein richtiger Dickkopf, und auch hier wenden sich die Maschinen gegen die Erfinder.

Konkret wurde der einflussreiche VR-Manager Blake Creighton (Michael Therriault) ermordet. Detective Jules Dover (Lisa Marcos) und die künstliche Asha (Harveen Sandhu) machen sich an die Arbeit und entdecken, dass der Mord womöglich gar nicht "echt", sondern nur virtuell stattgefunden haben könnte.

foto: screenshot/syfy

Halcyon ist keine "normale" Serie, sondern ein Hybrid aus Fernsehserie und 360-Grad-Erlebnis. Im TV werden in fünfminütigen Folgen die Inhalte um einen Kriminalfall angeteasert. Wer über eine Virtual-Reality-Brille verfügt, zum Beispiel Oculus Rift oder Samsung Gear VR, kann fünf weiteren Folgen virtuell über eine App erleben.

Behäbige Geschichte

Aufregend, und auch wieder nicht: Wie oft in solchen Zweiergespannen aus linear und digital bleibt manches auf der Strecke. Bei aller Sorgfalt, die auf die Optik verwendet wird, bleiben in den Fernsehteilen die Figuren zu steril, zumindest die Geschichte wirkt behäbig und könnte aus Derrick und Der Alte stammen.

Das virtuelle Gegenstück kann diese inhaltlichen Schwächen jedoch nicht kompensieren, der Ausflug in die Welt der VR-Brille ist zwar eine nette Zugabe, die jedoch keine spektakulären Ereignisse bietet.

syfy

Mit der Brille betrachtet

Das virtuelle Erlebnis findet am Ort des Verbrechens statt, der Benutzer findet sich mitten im Geschehen wieder, kann sich im virtuellen Raum bewegen und die Ermittlerinnen beim Aufklären des Kriminalfalls unterstützen.

Die fünf VR-Episoden sollen zwischen den normalen Episoden in einer App abgespielt werden, also während der linearen Ausstrahlung im TV und im Internet. Zwischen den Folgen der linearen Ausstrahlung soll eine rund zwei-minütige Pause einsetzen, in der die Zuseher auf ihrer VR-Brille die zusätzlichen Inhalte abrufen können.

foto: screenshot/syfy

Unausgereifte Umsetzung

Was in der Theorie spannend klingt, erweist sich in der Praxis als noch unausgereift. Die Inhalte sind ergänzend, das heißt: Der Zuschauer könnte auch ohne sie die Serie konsumieren, ohne große Einbußen hinnehmen zu müssen. Die Inhalte gehen nicht darüber hinaus, in dem animierten Raum Miniaufgaben mit den Ermittlerinnen zu lösen, was den Zuseher zwar in die Handlung einbindet, aber keine spektakulären Szenarien bietet.

Die virtuelle Welt ist nicht so ergiebig, als dass man mit deren Effekten inhaltliche Schwächen der linearen Serie ausgleichen könnte – das VR-Erlebnis bleibt höchstens eine nette Zugabe, um in das VR-Geschehen Einblick zu bekommen.

Schwächen nicht aufgewogen

Daher ist auch die Frage, ob der virtuelle Inhalt die Schwächen der Serie ausgleichen kann, eine Frage, die vielleicht falsch gestellt ist. Die Synergie der beiden Teile trägt zum Ergebnis als Ganzem bei, die Schwächen der "normalen" Folgen können die VR-Episoden jedoch nicht ausbügeln. Das Zusammenspiel wirkt zwar flüssig, doch wie erfolgreich dieser Prozess während einer Fernsehausstrahlung funktioniert, wird sich erst zeigen.

Trotz aller Schwächen der Produktion muss man dazu anmerken, dass die virtuelle Realität noch in ihren Kinderschuhen steckt. Das Angebot weitet sich jedoch immer mehr aus, Brillen werden erschwinglicher. Produktionen wie Halcyon dienen dabei als Vorreiter in einem Gebiet der Technik, das noch an seinem Anfang steht und in Zukunft wahrscheinlich eine große Rolle spielen wird. (Doris Priesching, Christopher Rindhauser, 13.9.2016)

  • Die TV- und VR-Hybrid-Serie "Halcyon" ist in Österreich am 22. September auf Syfy via Sky zu sehen
    foto: syfy

    Die TV- und VR-Hybrid-Serie "Halcyon" ist in Österreich am 22. September auf Syfy via Sky zu sehen

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