Ökostrom: Gerangel um die richtige Holznutzung

7. September 2016, 14:27
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Die anstehende Novellierung des Ökostromgesetzes führt dazu, dass sich die vielen Branchen, deren Grundlage der Wald darstellt, in Position bringen

Eine Forcierung der "kaskadischen Nutzung von Holz" fordert die Austropapier, die Vereinigung der österreichischen Papierindustrie. Kaskadische Nutzung: Darunter wird grob gesprochen verstanden, dass Holz erst am Ende seiner möglichst breiten stofflichen Ausbeute thermisch verwertet, also verbrannt und damit zu Strom und Wärme gemacht wird.

Der Vorteil einer möglichst breiten, stufenweisen Ausbeute von Holz hat sich die Branche durch eine Studie des Instituts für industrielle Ökologie absichern lassen. Der Sukkus der Studie: Ökostrom mit Schwerpunkt Holz verzerre den Holzmarkt. Das Ökostromgesetz in der derzeitigen Ausformung habe eine negative Auswirkung auf die österreichische Gesamtwirtschaft. Allerdings: Das Ökostromgesetz könnte so novelliert werden, dass es zu vielfältigerer Holzausbeute kommt. Dies würde, so Studienautor Andreas Windsperger, die Erlöse aus der Wertschöpfungkette Holz von derzeit 18,4 Milliarden Euro auf 24,4 Milliarden Euro steigern.

Kritisierte Wettbewerbsverzerrungen

Ziel der Novellierung sollte sein, dass die gegebenen Wettbewerbsverzerrungen in dem Markt reduziert werden, sagt Max Oberhumer, Direktor von Sappi Austria und Präsident der Interessenvereinigung Austropapier. Nach Berechnungen der Branche gingen zwischen 2003 und 2014 insgesamt 6,4 Mrd. Euro in Ökostromsubvention, die Mehrheit davon in Biomasse. "Wir haben derzeit keine optimale Kaskade", sagt Oberhumer.

Christian Skilich, Direktor des Papierkonzerns Mondi sagt, dass man künftig "mehr veredeln statt verbrennen" sollte. Im Gegensatz zur gegenwärtigen Situation sollte es beim neuen Ökostromgesetz Investitionsförderungen geben, zulasten der derzeitigen fixen Einspeisetarife. Auch möchte die Branche, die keine Förderungen aus dem Bioenergie-Titel erhält, dass künftig in erster Linie solches Restholz zur Verbrennung kommt, das stofflich nicht verwertbar ist. Derzeit zahle jeder Haushalt 150 Euro jährlich zur Förderung von Ökostromanlagen, in Summe 846 Mio. Euro (2014) . Bei einer Fortschreibung dieser Förderpolitik prognostiziert die Austropapier Kosten von 1,35 Milliarden Euro jährlich.

Energiebereich mischt mit

Gegen die von der Papierbranche kritisierte zu große Nutzung im Energiebereich führt Gerhard Mannsberger, Sektionsschef im Landwirtschaftsministerium, an, dass es trotz forcierter Wald-Nutzung "keine Unterversorung von Holz" gebe. "Im Gegenteil, es gibt ein Überangebot", sagt er. Ähnlich der Biomasseverband. Die energetische Holznutzung sei ein zentraler Baustein für die Holzmobilisierung in den heimischen Wäldern, da sie dringend benötigte Verwertungsmöglichkeiten für alle gering bewerteten Holzsortimente schaffe, heißt es. (Johanna Ruzicka, 7.9.2016)

  • Die Nebenprodukte von Holz: Rinde oder mindere Hölzer sollten vevorzugt in die thermische Verwertung gehen; der Rest in höherwertige Anwendungen.
    foto: reuters

    Die Nebenprodukte von Holz: Rinde oder mindere Hölzer sollten vevorzugt in die thermische Verwertung gehen; der Rest in höherwertige Anwendungen.

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